Sonntag, 15. April 2007

De mortuis nihil, nisi bene - Der Fall Oettinger

..... noch einen Moment. Bald sind wir bereit.
Noch einen Moment. Bald ist es so weit!
Dann zeigen wir euch, was wir lernten!
Erich Kästner

De mortuis nihil, nisi bene - Der Fall Oettinger
Von Dr. Rafael Korenzecher

Die landesweit ausgebrochene Diskussion über den peinlichen, an dümmlicher Dreistigkeit kaum zu überbietenden Lügen-Nekrolog und Opferverhöhnungsexkurs des Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger am Grabe seines Amtsvorgängers und Totmach-Juristen Filbinger verhüllt trotz ihrer ganzen Legitimität und trotz des bevorstehenden Sturzes Oettingers dennoch den Blick auf die eigentliche Thematik. Die Beschränkung auf eine Personalisierung des Unrechts greift zu kurz und stellt bereits per se eine gefährliche – vielfach auch eine vorsätzliche – Bagatellisierung des gesellschaftlichen Problems dar.

Dem gesamten und erschreckenden Ausmaß dieses Problems wird man auch dann nicht gerecht, wenn man erkennt, dass es sich längst nicht mehr um einen Fall Oettinger sondern mindestens auch um einen Fall der moralisch verwahrlosten Lügen-Claqeure Strobl, Brunnhuber und Rech handelt. Allen Beteiligten ist nämlich ohne jeden Zweifel zu unterstellen, dass sie gegen besseres Wissen mit zynischem Vorsatz und kaltem politischen Kalkül an den unstrittigen historischen Gegebenheiten vorbei auf die breite Zustimmung der CDUBasis weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus zielen und - wie viele Diskussionsbeiträge belegen - leider auch treffen.

Unsere bundesrepublikanische Wirklichkeit ist voll von nahezu gleichartigen Bildern und Ereignissen, die sich in immer dichterer Chronologie aneinander reihen und in Furcht erregender Weise ähneln. Die zusehends unverfrorenere Relativierung nationalsozialistischen Unrechts, die zunehmende Verharmlosung des unsäglichen Leids der Naziopfer, die Geringachtung der Gefährlichkeit und Gefahr des allgegenwärtigen, breit und unverhohlen in nahezu allen Schichten und gesellschaftlichen Gruppierungen der Bevölkerung akzeptierten rechten Gedankenguts und seiner - wie die nahezu täglichen Vorfälle von Fremdenhass und Antisemitismus belegen - sich häufenden neonazistischen Auswüchse haben längst Wirkung gezeigt.

Von tragenden gesellschaftlichen Gruppierungen genährte Nationalstolz- und Schlussstrichdebatten, von eigener Schuld ablenkende Schuldzuweisungen an die historischen Rolle und Gegenwartspolitik anderer Nationen sowie die - unter bewusster Weglassung von Ursache und Wirkung - wachsend vorgetragene Larmoyanz über deutsche Opfer vermeintlicher alliierter Kriegsgräuel ergänzen diese gesellschaftlichen Veränderungen in synergistischer Weise. In diesem unseligen Trend liegen auch die zur besten Sendezeit ausgestrahlten – wieder unter Weglassung von Ursache und Wirkung - ausschließlich die Beschwernisse und Verluste der deutschen Ost-Kolonisatoren schildernden kommerzialisierten Herzrühr- und Tränendrück-Filme wie etwa der Publikumsrenner „Die Flucht“. Im gleichen Sinne und teilweise bis zur Verklärung der Nazigrößen wirken die - auf Schaffung menschlicher Nähe zu den Nazi-Schergen zielenden - Streifen wie der „Der Untergang“, „Der Bunker“ oder gar dem Thema völlig unangemessene Schundkomödien wie „Mein Führer“. Unterstützt wird diese Verharmlosung und Verdrängung der unsäglichen Verbrechen des Naziregimes sowie der Schuld der Beteiligten, der Profiteure und der Mitläufer durch die zwischenzeitlich inflationierte Anzahl von Fernseh-Talkshows mit altersstarrsinnig neinsichtigen, vermeintlich viktimisierten, dem fremden Leid gegenüber völlig verhärteten und wehleidigen Naziveteranen oder deren Witwen.

Die Saat eines Ernst Nolte, Philipp Jenninger, Martin Hohmann, Martin Walser, Jürgen Möllemann aber auch Walter Mixa und Gregor Hanke und ihrer zahlreichen Gesinnungsgenossen ist wirklich aufgegangen: Während von politisch verantwortlicher Seite mit Hilfe der Einzelfall-Lüge klein geredet oder sogar vernebelt wird, dass in ständig wachsenden rechtsradikalen „no go-areas“ und so genannten national befreiten Gebieten vor den Augen günstigen Falls gleichgültiger und häufig untätiger Mitbürger und Ordnungskräfte immer öfter verbale und physische Übergriffe auf Fremde und fremdländisch aussehende Deutsche stattfinden, während jüdische Mitbürger - wie der Kippa-Test und tätliche Angriffe auf Rabbiner beweisen - es kaum noch wagen können, sich ungefährdet als Juden erkennen zu geben und farbige Personen ohne Gefahr gar nicht oder nicht mehr allein öffentliche Verkehrsmittel und andere öffentliche Bereiche nutzen können, während in der Bundeswehr immer neue Skandale wie etwa die eben bekannt gewordene Hass- und Agressions-Motivierung durch befohlene rassistische Fokussierung auf den „schwarzen Mann“ geübt wird und während unter der Führung eines einschlägig geschichtlich vorbelasteten deutschen Papstes der Klerus einen ideologischen Feldzug gegen Israel führt, mit dem Ziel geschichtliche Fakten soweit zu verfälschen, um aus dem mit den Nazis sympathisierenden Wegsehpapst Pius XII einen Widerstandskämpfer mit Heiligenschein zu machen, kann es doch niemanden, der nicht als Heuchler gelten möchte, wirklich verwundern, wenn in Baden- Württemberg ein Ministerpräsident versucht, sich beim Wahlvolk beliebt zu machen und in gleicher Weise den bis zum Tode uneinsichtigen NS-begeisterten Exekutionsjuristen Filbinger an der historischen Wahrheit vorbei mit einem Persil-Schein zu versehen und ihn zum Nazi-Gegner zu stilisieren.

Immerhin – und auch das ist bundesrepublikanische Wirklichkeit – kommen Personen mit verwandter Geisteshaltung verrstärkt zu Amt und Würden und machen unbehindert politische, kirchliche und gesellschaftliche Karrieren. Ebenso wenig karrierehinderlich oder Anstoß erregend - auch für allerhöchste Positionen - sind alte Mitgliedschaften in der NSDAP oder anderen NSOrganisationen wie der Hitler Jugend. Eine nahezu mit Koketterie vorgebrachte Einräumung der Zugehörigkeit zu einer Mordorganisation wie der Waffen-SS wird heute clever als geschicktes Werbemittel zur Absatzförderung eines sonstig unbeachteten drittklassigen Literaturelaborats verwendet. Hier liegt das wirkliche Problem: Es ist in der BRD wieder salonfähig und sogar opportun sich betont nationalbewusst und in rechter Gesinnung zu präsentieren. Das bringt Wohlwollen und Wählerstimmen und darauf zielt die skrupellose - keinesfalls durch die nachgeschobene Pietätsbegründung gegenüber einem Toten gedeckte - Geschichtsverdrehung Oettingers und seiner Parteifreunde. Daran ändert auch die anerkennenswerte und schnelle Reaktion der Kanzlerin nichts. Die Schelte, die sie dafür von der Südwest-CDU einstecken muss, ist ein weiterer Beleg hierfür.

Ein kleiner wenn auch unwesentlicher Trost bleibt - Oettinger wird trotzdem gehen müssen. Sein Pech ist es, dass zu den Opfern Filbingers nicht die üblichen Opfer ohne Lobby sondern die eher untypische Gruppe deutscher Wehrmachtssoldaten gehört. Dies zu leugnen wird auch einem Oettinger nicht verziehen werden.

Dr. Rafael Korenzecher
Jewish Berlin Online
http://drkorenz.myblog.de

Glanz und Elend der Gabriele P. - Geschichte eines Abstiegs

von Dr. Rafael Korenzecher

Neben allem anderen, was die jüngste Latex-Photoorgie der Provinz-Femme-Fatale Pauli und das von ihr bei ihren Selbstdarstellungs-Talkshows den Zuschauern plakativ hergezeigte Fußkettchen über die psychologischen Persönlichkeitsabgründe der Stoiber-Dompteurin offenbaren , ist es vor allem der vorgeführte eklatante Mangel an selbstdistanter Urteilskraft, der dieses CSU-Kuckucksei politisch nicht mehr tragfähig macht.

Vermutlich wird es eben diese Urteilsschwäche sein, die Frau Dr.Pauli zur Zeit noch davon abhält, freiwillig von der politischen Bühne abzutreten, um endgültig mit den Naddels, Kader Loths und Tatjana Gsells unserer bundessrepublikanischen Spaßgesellschaft in die sinnentleerte Glitzerwelt der Yellow Press abzutauchen. Für besonders hartnäckige Exhibitionisten(innen) gibt es auch – dem Dumm-Mach-Fernsehen sei’s gedankt – immer wieder Bedarf im Big-Brother Haus.

Allerdings bleibt die Befürchtung, dass Deutschland auch trotz des grellen Auftritts der bayerischen Landrätin wohl weiterhin den Superstar wird suchen müssen.

Freundlichst
Ihr
Dr. Rafael Korenzecher
2.4.07 12:52

Mittwoch, 28. März 2007

Evi, Heinz und die deutschen Bischöfe

Von Dr.Rafael Korenzecher (http://drkorenz.myblog.de/drkorenz/)

1. Unter Bezugnahme auf meinen publizierten offenen Brief an die Deutsche Bischofskonferenz wegen der missglückten und gänzlich untragbaren Äußerungen ihrer Bischöfe anlässlich einer Israelbesuchsreise sehe ich mich veranlasst, wegen etlicher der mir zwischenzeitlich recht zahlreich zugegangenen Leserkommentare, und den darin zum Teil enthaltenen mehr als fragwürdigen und minimalisierenden Versuche, das wesentliche Merkmal der Unterscheidung zwischen den Lebensbedingungen der wehrlosen jüdischen Opfer in den Ghettos der Nazis und den Lebensbedingungen der Palästinenser, vor allem quantitativ an der Zahl der Opfer aufzumachen, hier noch folgenden klarstellenden Zusatz anzufügen:

Der Vergleich der Lebensbedingungen der palästinensischen Bevölkerung - deren wirkliche und eigentliche Bedrohung nicht Israel sondern ihre eigenen hypokritischen und selbstsüchtigen arabischen Mentoren und ihre eigene unversöhnliche und lebensverächtliche Führung ist - mit dem unsäglichen Elend und der aussichtslosen Agonie der von den Nazischergen ins Warschauer Ghetto willkürlich gepferchten Juden, ist nicht einfach nur unzulässig und verharmlosend, er ist aufs unerträglichste verlogen, geschichtsklitternd und infam.

Das Besondere, Bestürzende und Angstmachende dieses Falles ist aber, dass dieser Vergleich nicht von irgendwelchen fanatisierten und keiner Einsicht zugänglichen Islamisten oder von - an der Debilitätsgrenze durchs sinnentleerte Leben taumelnden - tumben neonazistischen Glatzen angestellt worden ist, sondern - gegen besseres Wissen - von prominenten und Vorbild gebenden Mitgliedern der geistigen und geistlichen Führung der Kirche, denen man als Bischöfen und hohen Vertretern der bundesrepublikanischen Bildungselite unzweifelhaft einen hohen humanistischen Bildungsgrad und profunde geschichtliche Kenntnisse attestieren kann und deshalb Vorsatz und ideologische Zündelei unterstellen muß.

2. Bezüglich des mir - in Kritiken zu meinem Beitrag mit kaum verhohlener Schadenfreude von aufrichtigen Vertretern des von den Bischöfen geschürten konfessionsübergreifenden antijüdischen Sentiments - immer wieder vorgehaltenen Absolutions-Interviews der Galinski -Tochter Evelyn Hecht-Galinski im Deutschlandfunk, erlaube ich mir noch folgende Anmerkung und den Versuch einer Diagnose :Die privaten, überaus naiven, unzutreffenden, teilweise bösartigen und vor allem die eigene Vita aufarbeitenden Ansichten von Frau Evelyn Hecht-Galinski zu den geschichtsverdrehenden Äußerungen der Bischöfe in Israel und zu der vermeintlich ungerechtfertigen und kritiklosen Bevorzugung Israels durch die deutsche Politik werden durch den familiären Bezug der Interviewgeberin zu Heinz Galinski weder sachgerechter noch kompetenter.

Vielmehr spiegeln sie in unglücklicher und bemitleidenswerter Weise den - sogar die Radio-Interviewerin des Deutschlandradios irritierenden - absichtsvoll und provokativ konstruierten Bruch einer Tochter mit dem politischen Lebenscredo ihres berühmten Vaters wieder, auf dessen Bekanntheit sie aber in trotziger Inkonsequenz und der Einsicht, dass ihr wohl sonst kaum jemand zuhören würde, bei keinem ihrer - dem staunenden und peinlich berührten Publikum aufgedrängten - Auftritte jemals zu verzichten bereit war - "Ich heiße Evelyn Hecht Galinski und bin die Tochter von Heinz Galinski" .

Aus psychologischer Sicht handelt es sich meines Erachtens wohl noch am ehesten um ein reifeverzögerndes Verweigern der Überwindung der spätpubertären Trotzphase als Zeichen eines ohnmächtigen Aufbegehrens gegen den postmortalen Schatten einer in der kindlichen Perzeption der Erlebenden als egomanisch und unduldsam empfundenen übermächtigen Vaterfigur. Dieses mit progredientem Wahrnehmungs- und Urteilsverlust sowie einer massiven Realitätseintrübung vergesellschaftete Gudrun Enslin und Patricia Hearst-Syndrom ist - völlig unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen oder sozialen Gruppe - ebenso typisch in seiner pathologischen wie bedauerlich in seiner menschlichen Komponente.

Armer Heinz, arme Evi !

Dr. Rafael Korenzecher


Zum Nachlesen: Offener Brief an die Deutsche Bischofskonferenz:
Kirche und Judentum - Eine Bischofsreise nach Israel
Von Dr.Rafael Korenzecher

Alles bleibt beim alten.....Dabei spielt es keine Rolle, ob auch diesmal wieder nachträgliche und allzu leise hingeheuchelte -ausschließlich der medienwirksamen Politraison gezollte - Pseudorichtigstellungen des durch einige öffentliche Ohrfeigen kurzfristig erschreckten Klerus gefolgt sind.Einige Vertreter der Kirche haben mit der aus tiefster katholischer Seele ausgebrochenen Spontaneruption des von großen Teilen der Kirche seit jeher gelebten antijüdischen Sentiments enttarnend klargestellt, dass man sich auf ihre Beständigkeit und doktrinäre Unbelehrbarkeit in puncto Judenvorbehalt wirklich verlassen kann.Damit und mit einem tiefen Seufzer, zu dem einen jüdischen, seit 2000 Jahren auch von den Christen in Anspruch genommenen und sehr oft missbrauchten Gott, könnte man eigentlich zur Tagesordnung übergehen: Im Vatikan nichts Neues..!!

Der Vergleich der Lebensbedingungen der palästinensischen Bevölkerung - deren eigentliche und größte Bedrohung ihre eigenen hypokritischen und selbstsüchtigen arabischen Mentoren und ihre eigene unversöhnliche und lebensverächtliche Führung ist - mit dem unsäglichen Elend und der aussichtslosen Agonie der Juden im Warschauer Ghetto ist nicht einfach nur unzulässig, er ist verlogen, geschichtsklitternd und infam.Das Besondere und Unerträgliche hieran ist aber, dass dieser Vergleich nicht von irgendwelchen fanatisierten und keiner Einsicht zugänglichen Islamisten oder von an der Debilitätsgrenze durchs sinnentleerte Leben taumelnden tumben neonazistischen Glatzen angestellt worden ist, sondern von deutschen Bischöfen, d.h. von prominenten und Vorbild gebenden Mitgliedern der geistigen und geistlichen Führungselite der bundesrepublikanischen Gesellschaft, denen man ungeprüft einen hohen Bildungsgrad und profunde geschichtliche Kenntnisse attestieren kann.

Diese in perfider Gutmensch-Scheinheiligkeit - noch dazu unmittelbar nach dem noch eben zuvor der zentralen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem abgestatteten Pflicht - und Alibibesuch - sehr zum Wohlgefallen der palästinensischen Autoritäten angestellten Vergleiche sind weder zufällig noch unbedacht, sie sind gesinnungsenttarnend und zielen treffgenau auf die Relativierung des unsagbaren Leids der jüdischen Opfer und somit auf die Relativierung der Schuld der Täter und deren damaliger Mitläufer aus den eigenen Reihen.Sie sind gleichzeitig ein Beschwichtigungsbeitrag für die argwohngeschüttelten erzkonservativen und ewiggestrigen Kräfte zu Hause, denen jede Annäherung der Kurie an die Juden und deren Staat bis ins schwarze Mark suspekt ist. Wegen der Funktion der - stellvertretend für große Teile der Kirche auftretenden - deutschen Bischöfe als höchste Vertreter der deutschen Christenheit wirkt ihr Vorgehen in dualer Weise als geschichtliche Schuldrelativierung Nazi-Deutschlands und der in jener Zeit überaus angreifbar agierenden Kurie gleichermaßen. Das - trotz des spürbar kurzatmigen Rückziehers des Kardinals Lehmann - als manifester antijüdischer Eklat zu bewertende Verhalten der Bischöfe und ebenso ihre danach als Entschuldigungsersatz hingeholperten Halbherzigkeiten demaskieren erkennbar dieses allzu vordergründige Anliegen weiter Kirchenkreise.

Diese Kirche, die bei der Verfolgung ihrer Ziele und Dogmen in weiten Teilen Mitgefühl nicht kannte und nicht kennt und die die jüdische Herkunft ihres eigenen Gottes beharrlich verschwiegen und geleugnet hat, trägt mit ihrem jahrhundertelang und bis weit in die Neuzeit von ihren Päpsten praktizierten, gelebten, gepredigten und nur gelegentlich als theologischen Antijudaismus begrifflich getarnten Antisemitismus die Hauptverantwortung für die antisemitischen Exzesse und Atrozitäten im gesamten Abendland.Sie ist - trotz der Schar einiger Aufrechter aus ihren Reihen - neben den Nazi-deutschen Tätern, auch mitverantwortlich für den jüngsten Holocaust am jüdischen Volk. Mit Zustimmung und im Namen dieser Kirche wurden zahllose Verbrechen gegen die Menschheit im allgemeinen und gegen die Juden im besonderen begangen. Mit ihrer unversöhnlichen Missionarisierungs- und Hegemonialpolitik hat diese Kirche historisch nachweisbar die Ursachen für viele bis heute weltweit schwelenden Konflikte geschaffen und am Leben erhalten.Die von den deutschen Bischöfen in Israel nur spärlich mit dem Deckmantel angeblichen Mitgefühls und aufgesetzter Anteilnahme verdeckten, gegen besseres Wissen erstellten Vergleiche der gegenwärtigen palästinensischen Lebenssituation mit dem Leid der Juden in den Ghettos und Lagern des Naziregimes, reihen sich fast nahtlos in die bis jetzt - trotz gegenteiliger Behauptung – von weiten Teilen dieser Kirche nicht abgelegten Feindbilder und Antichrist-Ideologien ein, die nicht zuletzt auch dem Judenhaß der Nationalsozialisten als Vorbild und als Alibi gedient haben.

Die das Verbrechen an den Juden verharmlosenden Vergleiche der kirchlichen Emissäre können aber auch nicht wirklich verwundern vor dem mit allerlei Konzils- und Kirchentagsgaukeleien bewußt vernebelten Hintergrund, dass sich weite Teile der christlichen Kirche insgesamt - der reformierten und der katholischen - von ihren judenfeindlichen Leitfiguren gar nicht oder nicht eindeutig distanziert haben.Dies gilt in der evangelischen Kirche für deren Begründer, den Reformer und dezidierten Antisemiten Luther, in der katholischen Kirche für die zahlreichen päpstlichen Antisemiten ihrer Geschichte.Dazu gehören die Kreuzzugs-, Judenstigmatisierungs- Zwangstauf- und Inquisitionspäpste des 12. Und 13.Jahrhunderts, darunter Papst Urban II., Innozenz III. Und Gregor IX. Hierunter fällt ebenso der Juden-Ghettoisierungspapst des 16. Jahrhunderts Paul IV., wie die judenfeindlichen Päpste des 19.Jahrhunderts, unter denen allen voran der von der ganzen zivilisierten Welt - mit Ausnahme der katholischen Kirche - bereits in seiner eigenen Zeit mit Abscheu geächtete Entführer und Zwangsadoptierer des jüdischen Kindes Edgardo Mortara, der Judenhasser und Ghettowiederaufbauer Pius IX. Schließlich und sehr zum Missfallen höchster Kirchenkreise ist an dieser Stelle auch keinesfalls der mit den Nazis und deren Judenpolitik sympathisierende Wegsehpapst Pius XII auszulassen, der noch bis zur endgültigen Erkenntnis über die Aussichtslosigkeit des Hitler-Krieges einvernehmlich und vorsätzlich zu dem ihm durchaus bewussten und bekannten Genozid am jüdischen Volk schwieg, während seine Priester in Kroatien bei der Liquidierung der Juden selbst Hand anlegten, seine Bischöfe in Deutschland sich zwar gegen die Euthanasie an Nichtjuden aber keinesfalls gegen den Mord an Juden ausgesprochen haben und seine diplomatischen Emissäre noch nach dem verlorenen Krieg Naziverbrechern falsche Pässe zur Flucht vor den Alliierten verschafft haben, obwohl sie nicht bereit waren, dies auch vorher für verfolgte Juden zu tun.

Diese Kirche hat sich bis heute nicht vollständig von dem antijüdischen Morast ihrer Geschichte gereinigt und hat sich von den geschichtlichen Antisemiten in ihren Reihen nicht nur nicht losgesagt - von der in vielen anderen Fällen so leicht von der Hand gehenden Exkommunikation ganz zu schweigen - sondern hat etliche dieser Judenfeinde und -verfolger, wie etwa den - gegen weltweiten Protest - im Jahre 2000 seliggesprochenen Judenhasser Pius IX ., auch noch gefeiert, mit Heiligsprechungen ausgezeichnet und unsterblich gemacht.In weiten Kreisen dieser Kirche lebt der unselige Geist des Antisemitismus von gestern auch heute noch in mannigfaltiger Gestalt und offiziell geleugneter aber ungebrochener Vitalität weiter, und dies trotz des Zweiten Vatikanischen Konzils und des bei weitem überschätzten Fastensonntags -Reuegelöbnisses von Johannes Paul II. Ihre Freundeskreise - wie etwa das Webportal Kreuz.net oder der Arbeitskreis Konservativer Christen betreiben Internetseiten , die von großen Teilen der Kirche unwidersprochen bereits die halbherzige Entschuldigung der Bischöfe für deren israelische Entgleisung als ein Kleinbeigeben gegenüber den Juden beklagen, oder sich in vaterländischem Stammtischgejohle und Hohmann-Lobreden ergehen.

Eine solche Kirche, die das Purgatorium predigt aber an sich selbst nicht vollzieht, hat das verloren, was sie eigentlich am meisten bräuchte, Glaubwürdigkeit und moralische Kompetenz. Ihr einseitiges Urteil oder gar eine Verurteilung des israelischen Überlebenskampfes ist daher schon per se verdächtig. Große Teile dieser Kirche fühlen sich - den Aufrechten in ihren eigenen Reihen zum Trotz - von Geistlichen mit dem Geschichtsbewusstsein eines Hanke oder Mixa, die sie systemimmanent zu ihren bischöflichen Vertretern gemacht und nach dem Eklat nicht etwa abberufen haben, offenbar mehr als würdig vertreten. Bezüglich ihrer immer wieder in hoffnungsloser Eigenüberschätzung selbsteingeforderten Anerkennung als allgemeinverbindliche moralische Instanz ist einer solchen Kirche auch angesichts des neu aufgesetzten regenbogenpressefähigen jovialen Mäusefang-Populismus und des "Wir sind Papst - Geredes" unter den bestehenden Gegebenheiten nicht zu helfen.Erich Kästner hat sich tatsächlich nicht geirrt: ".... da hilft kein Zorn, da hilft kein Weinen, da hilft kein Beten, die Nachricht stimmt, aus dieser Kirche ist der liebe Gott längst ausgetreten."

Dr. Rafael Korenzecher Readers Edition 22.03.2007


Zum Nachlesen --- Original-Interview mit Evelyn Hecht-Galinski
Deutschlandfunk9.3.2007"Ghetto ist heute ein gebräuchlicher Begriff"

Evelyn Hecht-Galinski kritisiert Zentralrat der Juden, Moderation: Doris Simon

Anlässlich des Streits um Äußerungen einiger katholischer Bischöfe zu den Zuständen in den Palästinensergebieten hat Evelyn Hecht-Galinski ihre scharfe Kritik am Zentralrat der Juden in Deutschland erneuert. Der Zentralrat habe sich "wieder mal als Sprachrohr der israelischen Regierung" betätigt. Die Tochter des ehemaligen Zentralratspräsidenten Heinz Galinski bedauere es, dass Kardinal Lehmann "diese sehr moderaten Äußerungen zum Teil zurückgenommen" habe.Den vollständigen Artikel erreichen Sie im Internet unter der URLhttp://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/602717/
09.03.2007 http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/602717/bilder/image_main/"
"Ghetto ist heute ein gebräuchlicher Begriff"
Evelyn Hecht-Galinski kritisiert Zentralrat der Juden
Moderation: Doris Simon

Anlässlich des Streits um Äußerungen einiger katholischer Bischöfe zu den Zuständen in den Palästinensergebieten hat Evelyn Hecht-Galinski ihre scharfe Kritik am Zentralrat der Juden in Deutschland erneuert. Der Zentralrat habe sich "wieder mal als Sprachrohr der israelischen Regierung" betätigt und bezeichne "jüdische Kritiker als jüdische Antisemiten". Die Tochter des ehemaligen Zentralratspräsidenten Heinz Galinski bedauere es, dass Kardinal Lehmann "diese sehr moderaten Äußerungen zum Teil zurückgenommen" habe.

Doris Simon: Nur langsam beruhigt sich die Auseinandersetzung um Äußerungen einiger katholischer Bischöfe zu den Zuständen in den Palästinensergebieten. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz Kardinal Lehmann hat inzwischen erklärt, er halte die Kritik der Bischöfe Hanke und Mixa für nicht angemessen. Sie hatten während einer Israelreise der Bischofskonferenz die Situation in Ramallah mit dem Warschauer Ghetto verglichen beziehungsweise sich an Rassismus erinnert gefühlt. Demagogie und Antisemitismus warf darauf hin der israelische Botschafter beiden vor. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland reagierte empört. Evelyn Hecht-Galinski arbeitet aktiv mit bei den Europäischen Juden für einen gerechten Frieden, die engagieren sich für einen Ausgleich mit den Palästinensern. Frau Hecht-Galinski ist jetzt am Telefon. Guten Morgen!Evelyn Hecht-Galinski: Guten Morgen Frau Simon!Simon: Frau Hecht-Galinski, überrascht Sie die Schärfe der Auseinandersetzung?Hecht-Galinski: Die überrascht mich und überrascht mich nicht, weil vom Zentralrat bin ich nichts anderes gewöhnt. Er hat sich wieder mal als Sprachrohr der israelischen Regierung betätigt und hat sich an die israelische Botschaft heran gehängt und bezeichnet Kritiker als Antisemiten, jüdische Kritiker als jüdische Antisemiten oder jüdische Selbsthasser oder Juden, die in der Identitätskrise stecken. Das bin ich gewöhnt, und ich auch keine Einzelmeinung mehr, wie das immer hingestellt wird vom Zentralrat. Ich bedauere es nur sehr, dass die, wie Sie schon vorher anmoderiert haben, dass die Bischöfe beziehungsweise Kardinal Lehmann schon wieder diese Äußerungen, diese sehr moderaten Äußerungen zum Teil zurückgenommen haben oder sich entschuldigt haben.

Simon: Moderat, finden Sie den Vergleich mit dem Warschauer Ghetto moderat?Hecht-Galinski: Ich kann diese Vergleiche so nicht nachvollziehen, weil, wenn man morgens in Jad Vaschem war, diese Ausrottung des europäischen Judentums gesehen hat, die leider nicht mehr rückgängig zu machen ist, und dann in die besetzten Gebiete fährt, dieses Elend sieht, diese Mauer, die sich durch palästinensische Gebiete zieht, diese unrechtmäßige Besatzung, dann muss man von einem Riesenghetto beziehungsweise Riesenfreiluftgefängnis sprechen, das die israelische Regierung in den besetzten Gebieten einrichtet.Simon: Aber muss es immer gleich der Vergleich mit dem Holocaust sein?Hecht-Galinski: Es ist nicht der Vergleich mit dem Holocaust. Ghetto ist heute ein gebräuchlicher Begriff, das betrifft die Vorstädte, das betrifft amerikanische Ghettos, das ist ein normaler Begriff.Simon: Was sagen Sie denn dazu, der Vergleich mit dem Holocaust war antisemitisch, demagogisch, so der Vorwurf zum Beispiel der israelischen Botschaft, auch des Zentralrates?Hecht-Galinski: Ja, ich sagte ja schon, das ist die gängige Wortwahl, um Kritiker mundtot zu machen.Simon: Könnte das nicht auch ein grober Klotz auf einem groben Keil sein?Hecht-Galinski: Ich fand den groben Keil von den Bischöfen überhaupt nicht grob. Im Gegenteil: Ich fand ihn, wie gesagt, sehr moderat. Die Bischöfe haben endlich mal ein paar Worte ausgesprochen. Normalerweise hört man ja gar nichts mehr. Die deutsche Politik ist hinter den israelischen Medien verschwunden. Die deutsche mediale Berichterstattung zeigt das Elend auch nicht mehr genug, und deswegen muss ich sagen, bedauere ich es nochmal sehr, dass es jetzt schon wieder einen Rückzieher gegeben hat.

Simon: Der israelische Botschafter in Deutschland hat ja ausdrücklich gesagt, Kritik an Israel sei legitim, es käme auf die Wortwahl und die richtigen historischen Zusammenhänge an.Hecht-Galinski: Ja, sicherlich. Das ist immer die gängige Meinung und die gängigen Aussprüche. Sobald aber Kritik geäußert wird, wird diese Kritik sofort mit Antisemitismusvorwürfen gleichgesetzt, und dadurch werden die Politiker auch mundtot gemacht. Sehen Sie, damals nach dem Streubombeneinsatz ist die Frau Wieczorek-Zeul angegriffen worden. Sie hören heute nichts mehr. Es ist alles verschwunden. Jedes kritische Wort wird sofort im Keim erstickt. Simon: Ist das typisch aus Ihrer Sicht für Deutschland oder gilt das auch für anderer Länder?Hecht-Galinski: Das gilt auch für andere Länder. Überall wo, ich muss es leider sagen, wie Tony Judt das auch schon festgestellt hat, die jüdisch-israelische Lobby mit ihrem Netzwerken am Arbeiten ist, das zieht sich heute über die ganze Welt, und dank Amerika ist die Macht so groß geworden, dass wir als europäische Juden für einen gerechten Frieden zwar eine Minderheit sind, aber immer stärker werden in der ganzen Welt. Und ich muss Ihnen ehrlich sagen, ich habe mir das Lebensmotto meines Vaters zu Eigen gemacht: Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen.

Simon: Ihr Vater, das muss man vielleicht noch mal erwähnen, war Heinz Galinski, der frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland. Und wenn Sie von Ihrer Organisation Europäische Juden für einen gerechten Frieden sprechen, und Sie sagen schon, Sie sind in der Minderheit, wie fühlen Sie sich denn innerhalb der jüdischen Gemeinde in Deutschland?Hecht-Galinski: Ich fühle mich in der Hinsicht nicht mehr dazugehörig zu der normalen Mehrheit, weil diese Mehrheit also absolut nur die israelische Politik unterstützt, und ich bin deutsche Jüdin und möchte nicht missbraucht werden für - das habe ich schon mal gesagt - eine israelische Politik, die auf keinem Boden des Rechts und auf keinem demokratischen Verständnis mehr steht.Simon: Ihre Kritiker werfen Ihnen Selbsthass vor.Hecht-Galinski: Ja, ich sage ja gerade, das ist ein gängiger Begriff in jüdischen Beschimpfungen. Da kann ich also wirklich nur müde darüber lächeln. Simon: Was für Auswirkungen wird denn die scharfe Kritik jetzt an der Kritik der Bischöfe sowohl aus Deutschland vom Zentralrat als auch aus Israel haben? Im April reist ja eine hochkarätige Delegation der Evangelischen Kirche Deutschland nach Israel.Hecht-Galinski: Ja, das wird wohl die Auswirkung haben, dass die Evangelische Kirche sich gar nicht mehr zu Wort melden wird beziehungsweise eine Tourismusreise unternehmen wird und die schönen israelischen Gebiete sieht und wahrscheinlich nichts mehr sagen wird. Und ich finde sogar, es besteht eine Fürsorgepflicht für die Christen, die sich so einsetzen, die unter schwersten Bedingungen nach Israel fahren, um dann in die besetzten Gebiete zu kommen, was ja eigentlich verboten ist, um den Palästinensern dort zu helfen oder den zwei Prozent noch verbliebenen Christen, und die zwei Prozent von 20 Prozent ehemalig verbliebenen Christen, die sind nicht wegen der Moslems gegangen, im Gegenteil, die hoffen sehr, dass die Christen noch bleiben, sondern die sind wegen der israelischen Schikanen gegangen.

Simon: Das heißt, Sie gehen letztlich davon aus, dass die ganze Auseinandersetzung jetzt Israel und allen Menschen, die dort leben, eher schadet als nutzt?Hecht-Galinski: Ja, selbstverständlich. Im Endeffekt wird diese ganze israelische Politik auch dem Staat Israel nur schaden, auch wenn das heute noch nicht so gesehen wird von vielen Leuten. Aber es kann nur in ein absolutes Unglück führen, was dort passiert, weil man kann nicht ewig ein ganzes Volk unterdrücken und sich wirklich - ich muss diese Vergleiche wagen -, wir haben ja gerade erlebt, was im Zweiten Weltkrieg passiert ist und was heute passiert. Das kann man nicht einfach beschönigen, und man muss schon gewisse Vergleiche ziehen, leider muss man sagen, auch wenn das in Deutschland nicht politisch korrekt ist.Simon: Und da gibt es keine Tabus für Sie?Hecht-Galinski: Es gibt in der Hinsicht keine Tabus. Wissen Sie, wenn jüdische Siedler Gegner als Nazis bezeichnen, sich also auch mit dem Holocaust bedienen, dann kann ich sagen, es gibt, wenn Sie israelische Medien lesen, es gibt überhaupt gar kein Tabuthema mehr. Das wird zwar immer so dargestellt, aber gerade Deutschland hat die Verpflichtung, nicht in dieser Freundschaftsfalle zu enden und zu landen, sondern den Mund aufzumachen. Und das vermisse ich völlig, weil die deutsche Politik beziehungsweise die Regierung, egal welche Partei, sich immer voll auf die israelische Seite stellt, kritiklos. Simon: Die Debatte um bischöfliche Ghettoworte, das war Evelyn Hecht-Galinski, Mitglied der Europäischen Juden für einen gerechten Frieden.

Zum Nachlesen:Wer ist Evelyn Hecht-Galinski?
5. September 2006
Veröffentlicht in: Israel und so , trackback - copyright chajms sicht (http://www.sprachkasse.de/blog/2006/09/05/wer-ist-evelyn-hecht-galinski/)
Natürlich wissen wir, wer Evelyn Hecht Galinski ist, nämlich Tochter des verdienten ehemaligen Zentralratsvorsitzenden Heinz Galinski, ehemalige Waldorfschülerin und selbsternannte Kritikerin des Zentralrats.

Schon 2002 schrieb sie in einem Leserbrief an den STERN:Deshalb stört mich die Intoleranz des heutigen Zentralrats. Er betrachtet sich als die diplomatische Vertretung Israels in Deutschland und als Sprachrohr der Scharon-Regierung. Ich als Jüdin sage: Israels Besatzungs- und Siedlungspolitik ist unerträglicher und verabscheuungswürdiger Staatsterror. Stern 52, 2002
Vermutlich hat sie einen Musterbrief zuhause, denn 2005 schreibt sie an einen gewissen Arne Hoffmann:

„Dieser Zentralrat tritt als diplomatische Vertretung Israels in Deutschland auf und als Sprachrohr der israelischen Botschaft. Etwas mehr kritische Hinterfragung wäre auch in Deutschland wünschenswert."
Im August 2006 dann ein erneuter Leserbrief im Stern:

Ich schäme mich als deutsche Jüdin für die Taten Israels ! Gezielte Tötungen, Erniedrigung der palästinensischen Bevölkerung, Landenteignung, Zerstörung der Infrastruktur, Grenzschikanen, Mauerbau, Häuserspregungen, Bomben auf UN-Beobachter…Und als Trumpfkarte: Jede Kritik an Israel ist Antisemitismus. 30 Jahre verlorene Zeit, längst hätten Verhandlungen auf gleicher Augenhöhe, die Rückgabe der Golan-Höhen an Syrien und ein echter Stopp des Siedlungsbaues zu Frieden führen können. Daher auch die jetzige (gewollte?) Situation.
Die Jüdische Allgemeine wird dann auch schon mal von ihr aufs Korn genommen, im Jahr 2000 schreibt sie:

Nach der Lektüre des Artikels “Waldorfunterricht “rassistisch geprägt”?” vom 30. März bin ich entsetzt darüber, welche Fanatiker in der Jüdischen Allgemeinen schreiben dürfen. Von meinem Vater Heinz Galinski, dem ehemaligen Zentralratsvorsitzenden, habe ich gelernt, so etwas nicht hinzunehmen.

In ihrem neuesten Interview mit dem Deutschlandfunk http://www.zeit.de/politik/dlf/2006/Interview-060901-Israel?page=1 wiederholt sie ihre These. "Weil es für mich besonders unerträglich ist und auch für viele meiner jüdischen Mitstreiter, dass sich der Zentralrat zum wiederholten Male als Sprachrohr der israelischen Regierung in Deutschland versteht, anstatt sich um die sozialen Belange der Gemeindemitglieder in den jüdischen Gemeinden in Deutschland zu kümmern."

Mit dieser Haltung lieferte sie natürlich all denen, die es immer gewußt haben eine Steilvorlage und zieht sich selber aus der Affäre indem sie postuliert die Juden seien selber Schuld am Antisemitismus. Die Art der Kritik des Zentralrats ist diskussionswürdig, aber solche Reflexe abzuarbeiten könnte pathologisch sein.Wer ist eigentlich Frau Hecht-Galinski, außer „Tochter von…” - wo ist ihr Beitrag für das Judentum in Deutschland, wo ist ihr Beitrag für eine vernünftige und offene Diskussion?

Donnerstag, 22. März 2007

Kirche und Judentum - Eine Bischofsreise nach Israel

Alles bleibt beim alten.....

Dabei spielt es keine Rolle, ob auch diesmal wieder nachträgliche und allzu leise hingeheuchelte -ausschließlich der medienwirksamen Politraison gezollte - Pseudorichtigstellungen des durch einige öffentliche Ohrfeigen kurzfristig erschreckten Klerus gefolgt sind.

Einige Vertreter der Kirche haben mit der aus tiefster katholischer Seele ausgebrochenen Spontaneruption des von großen Teilen der Kirche seit jeher gelebten antijüdischen Sentiments enttarnend klargestellt, dass man sich auf ihre Beständigkeit und doktrinäre Unbelehrbarkeit in puncto Judenvorbehalt wirklich verlassen kann.

Damit und mit einem tiefen Seufzer, zu dem einen jüdischen, seit 2000 Jahren auch von den Christen in Anspruch genommenen und sehr oft missbrauchten Gott, könnte man eigentlich zur Tagesordnung übergehen: Im Vatikan nichts Neues..!!

Der Vergleich der Lebensbedingungen der palästinensischen Bevölkerung - deren eigentliche und größte Bedrohung ihre eigenen hypokritischen und selbstsüchtigen arabischen Mentoren und ihre eigene unversöhnliche und lebensverächtliche Führung ist - mit dem unsäglichen Elend und der aussichtslosen Agonie der Juden im Warschauer Ghetto ist nicht einfach nur unzulässig, er ist verlogen, geschichtsklitternd und infam.

Das Besondere und Unerträgliche hieran ist aber, dass dieser Vergleich nicht von irgendwelchen fanatisierten und keiner Einsicht zugänglichen Islamisten oder von an der Debilitätsgrenze durchs sinnentleerte Leben taumelnden tumben neonazistischen Glatzen angestellt worden ist, sondern von deutschen Bischöfen, d.h. von prominenten und Vorbild gebenden Mitgliedern der geistigen und geistlichen Führungselite der bundesrepublikanischen Gesellschaft, denen man ungeprüft einen hohen Bildungsgrad und profunde geschichtliche Kenntnisse attestieren kann und deshalb Vorsatz und politische Zündelei unterstellen muß.

Diese in perfider Gutmensch-Scheinheiligkeit - noch dazu unmittelbar nach dem noch eben zuvor der zentralen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem abgestatteten Pflicht - und Alibibesuch - sehr zum Wohlgefallen der palästinensischen Autoritäten angestellten Vergleiche sind weder zufällig noch unbedacht, sie sind gesinnungsenttarnend und zielen treffgenau auf die Relativierung des unsagbaren Leids der jüdischen Opfer und somit auf die Relativierung der Schuld der Täter und deren damaliger Mitläufer aus den eigenen Reihen.
Sie sind gleichzeitig ein Beschwichtigungsbeitrag für die argwohngeschüttelten erzkonservativen und ewiggestrigen Kräfte zu Hause, denen jede Annäherung der Kurie an die Juden und deren Staat bis ins schwarze Mark suspekt ist.

Wegen der Funktion der - stellvertretend für große Teile der Kirche auftretenden - deutschen Bischöfe als höchste Vertreter der deutschen Christenheit wirkt ihr Vorgehen in dualer Weise als geschichtliche Schuldrelativierung Nazi-Deutschlands und der in jener Zeit überaus angreifbar agierenden Kurie gleichermaßen.

Das - trotz des spürbar kurzatmigen Rückziehers des Kardinals Lehmann - als manifester antijüdischer Eklat zu bewertende Verhalten der Bischöfe und ebenso ihre danach als Entschuldigungsersatz hingeholperten Halbherzigkeiten demaskieren erkennbar dieses allzu vordergründige Anliegen weiter Kirchenkreise.

Diese Kirche, die bei der Verfolgung ihrer Ziele und Dogmen in weiten Teilen Mitgefühl nicht kannte und nicht kennt und die die jüdische Herkunft ihres eigenen Gottes beharrlich verschwiegen und geleugnet hat, trägt mit ihrem jahrhundertelang und bis weit in die Neuzeit von ihren Päpsten praktizierten, gelebten, gepredigten und nur gelegentlich als theologischen Antijudaismus begrifflich getarnten Antisemitismus die Hauptverantwortung für die antisemitischen Exzesse und Atrozitäten im gesamten Abendland.

Sie ist - trotz der Schar einiger Aufrechter aus ihren Reihen - neben den Nazi-deutschen Tätern, auch mitverantworlich für den jüngsten Holocaust am jüdischen Volk.
Mit Zustimmung und im Namen dieser Kirche wurden zahllose Verbrechen gegen die Menschheit im allgemeinen und gegen die Juden im besonderen begangen. Mit ihrer unversöhnlichen Missionarisierungs- und Hegemonialpolitik hat diese Kirche historisch nachweisbar die Ursachen für viele bis heute weltweit schwelenden Konflikte geschaffen und am Leben erhalten.

Die von den deutschen Bischöfen in Israel nur spärlich mit dem Deckmantel angeblichen Mitgefühls und aufgesetzter Anteilnahme verdeckten, gegen besseres Wissen erstellten Vergleiche der gegenwärtigen palästinensischen Lebenssituation mit dem Leid der Juden in den Ghettos und Lagern des Naziregimes, reihen sich fast nahtlos in die bis jetzt - trotz gegenteiliger Behauptung – von weiten Teilen dieser Kirche nicht abgelegten Feindbilder und Antichrist-Ideologien ein, die nicht zuletzt auch dem Judenhaß der Nationalsozialisten als Vorbild und als Alibi gedient haben.

Die das Verbrechen an den Juden verharmlosenden Vergleiche der kirchlichen Emmissäre können aber auch nicht wirklich verwundern vor dem mit allerlei Konzils- und Kirchentagsgaukeleien bewußt vernebelten Hintergrund, dass sich weite Teile der christlichen Kirche insgesamt - der reformierten und der katholischen - von ihren judenfeindlichen Leitfiguren gar nicht oder nicht eindeutig distanziert haben.

Dies gilt in der evangelischen Kirche für deren Begründer, den Reformer und dezidierten Antisemiten Luther, in der katholischen Kirche für die zahlreichen päpstlichen Antisemiten ihrer Geschichte.

Dazu gehören die Kreuzzugs-, Judenstigmatisierungs- Zwangstauf- und Inquisitionspäpste des 12. Und 13.Jahrhunderts, darunter Papst Urban II., Innozenz III. Und Gregor IX. Hierunter fällt ebenso der Juden-Ghettoisierungspapst des 16. Jahrhunderts Paul IV., wie die judenfeindlichen Päpste des 19.Jahrhunderts, unter denen allen voran der von der ganzen zivilisierten Welt - mit Ausnahme der katholischen Kirche - bereits in seiner eigenen Zeit mit Abscheu geächtete Entführer und Zwangsadoptierer des jüdischen Kindes Edgardo Mortara, der Judenhasser und Ghettowiederaufbauer Pius IX.

Schließlich und sehr zum Missfallen höchster Kirchenkreise ist an dieser Stelle auch keinesfalls der mit den Nazis und deren Judenpolitik sympathisierende Wegsehpapst Pius XII auszulassen, der noch bis zur endgültigen Erkenntnis über die Aussichtslosigkeit des Hitler-Krieges einvernehmlich und vorsätzlich zu dem ihm durchaus bewussten und bekannten Genozid am jüdischen Volk schwieg, während seine Priester in Kroatien bei der Liquidierung der Juden selbst Hand anlegten, seine Bischöfe in Deutschland sich zwar gegen die Euthanasie an Nichtjuden aber keinesfalls gegen den Mord an Juden ausgesprochen haben und seine diplomatischen Emissäre noch nach dem verlorenen Krieg Naziverbrechern falsche Pässe zur Flucht vor den Alliierten verschafft haben, obwohl sie nicht bereit waren, dies auch vorher für verfolgte Juden zu tun.

Diese Kirche, hat sich bis heute nicht vollständig von dem antijüdischen Morast ihrer Geschichte gereinigt und hat sich von den geschichtlichen Antisemiten in ihren Reihen nicht nur nicht losgesagt - von der in vielen anderen Fällen so leicht von der Hand gehenden Exkommunikation ganz zu schweigen - sondern hat etliche dieser Judenfeinde und -verfolger, wie etwa den - gegen weltweiten Protest - im Jahre 2000 seliggesprochenen Judenhasser Pius IX ., auch noch gefeiert, mit Heiligsprechungen ausgezeichnet und unsterblich gemacht.

In weiten Kreisen dieser Kirche lebt der unselige Geist des Antisemitismus von gestern auch heute noch in mannigfaltiger Gestalt und offiziell geleugneter aber ungebrochener Vitalität weiter, und dies trotz des Zweiten Vatikanischen Konzils und des bei weitem überschätzten Fastensonntags -Reuegelöbnisses von Johannes Paul II.

Ihre Freundeskreise - wie etwa das Webportal Kreuz.net oder der Arbeitskreis Konservativer Christen betreiben Internetseiten , die von großen Teilen der Kirche unwidersprochen bereits die halbherzige Entschuldigung der Bischöfe für deren israelische Entgleisung als ein Kleinbeigeben gegenüber den Juden beklagen, oder sich in vaterländischem Stammtischgejohle und Hohmann-Lobreden ergehen.

Eine solche Kirche, die das Purgatorium predigt aber an sich selbst nicht vollzieht, hat das verloren, was sie eigentlich am meisten bräuchte, Glaubwürdigkeit und moralische Kompetenz.

Ihr einseitiges Urteil oder gar eine Verurteilung des israelischen Überlebenskampfes ist daher schon per se verdächtig.

Große Teile dieser Kirche fühlen sich - den Aufrechten in ihren eigenen Reihen zum Trotz - von Geistlichen mit dem Geschichtsbewusstsein eines Hanke oder Mixa, die sie systemimmanent zu ihren bischöflichen Vertretern gemacht und nach dem Eklat nicht etwa abberufen haben, offenbar mehr als würdig vertreten.

Bezüglich ihrer immer wieder in hoffnungsloser Eigenüberschätzung selbsteingeforderten Anerkennung als allgemeinverbindliche moralische Instanz ist einer solchen Kirche auch angesichts des neu aufgesetzten regenbogenpressefähigen iovialen Mäusefang-Populismus und des "Wir sind Papst - Geredes" unter den bestehenden Gegebenheiten nicht zu helfen.

Erich Kästner hat sich tatsächlich nicht geirrt: ".... da hilft kein Zorn, da hilft kein Weinen, da hilft kein Beten, die Nachricht stimmt, aus dieser Kirche ist der liebe Gott längst ausgetreten."

Dr. Rafael Korenzecher
Readers Edition 22.03.2007

Sonntag, 4. März 2007

Anschlag auf jüdische Kindertagesstätte vom 26. Februar

Mit Wut und größter Empörung habe ich von dem feigen und niederträchtigen Anschlag auf die Einrichtungen jüdischer Kinder in Berlin – und damit auf uns alle – Kenntnis nehmen müssen.

Gleichermaßen empört und bestürzt bin ich über die bis in die Spitzen der Politik reichenden verharmlosenden Kleindiskutierungsversuche und die begünstigende Gleichgültigkeit der nichtjüdischen Gesellschaft gegenüber einem in der bundesrepublikanischen Wirklichkeit explosionsartig angewachsenen und zwischenzeitlich gefahrlos und unverhohlen geäußerten Antisemitismus.

Wenn unsere Gesellschaft, in der bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt ethische und moralische Werte in der öffentlichen Diskussion nicht zuletzt auch von verantwortlicher Seite pervertiert werden und in der der überzogene Persönlichkeitsschutz menschenverachtender Terroristen und Gewaltstraftäter jeder Provenienz vor den Schutz der Opfer gestellt wird, in der die Fortführung eines Fußballspiels Vorrang hat vor der Setzung eines eindeutigen Signals gegen Rassendiskriminierung und Fremdenfeindlichkeit, und wenn wir alle - nach all unseren leidvollen geschichtlichen Erfahrungen - nicht wieder einen irreparablen Schaden an unseren humanitären Werten erleiden sollen, müssen den saft- und kraftlosen deklamatorischen Routineübungen entschiedene, überzeugende und beherzte Massnahmen der politisch Verantwortlichen folgen, die sich nicht nur in - bislang vor allem auf die möglichst medienwirksame Beschwichtigung der Betroffenen gerichteten - Halbherzigkeiten erschöpfen.

An der von den Betroffenen dankenswerterweise initiierten Solidaritätsveranstaltung, zu der vor allem und zuerst die politische Führung dieser Stadt alle Bürger und gesellschaftlichen Gruppen hätte aufrufen müssen, werde ich selbstverständlich teilnehmen und weiter dazu aufrufen.

Dr. Rafael Korenzecher, Berlin-Charlottenburg
Der Tagesspiegel 04.03.2007