Mittwoch, 21. Januar 2009

Obama-Super-Spiderman – eine Ode an die Freude

Von Dr. Rafael Korenzecher

Darf man der sich heutzutage weltweit rasant ausbreitenden Spezies Gutmensch und der global nahezu gleichgeschaltet dem heutigen Tag entgegenjubilierenden Gutmenschpresse Glauben schenken, dann ist der heutige Tag, der 20. Januar 2009, ein wundervoller Tag, ein Tag, an dem das lange Warten endlich ein Ende gefunden hat.

Der Erlöser in Gestalt eines charismatischen Sunnyboys, die Pop-Ikone des better America, ist zusammen mit seinen sonstig von dem vielen Kokaingenuß gelangweilten Freunden und Unterstützern aus der Musikszene und Hollywoods Weltverbesserungs-Chickeria endlich und fan-umjubelt in Washington angekommen.

Deutschland sucht ihn noch -- Amerika und die Welt haben den Superstar gefunden.

Nur noch ein paar Stunden, nur noch einen kurzer Augenblick and we sure can.

Messias Obama wird uns mit seiner Botschaft beglücken und uns den Weg weisen ins neue Nirwana. Party everywhere and Party forever – Freude soweit das Auge reicht.

Und Grund zur Freude gibt es ja schließlich mehr als genug:

George Bush, der fundamentalistische Gotteskrieger aus Texas, der das unverzeihliche Verbrechen begangen hat, die Welt derartiger Lichtgestalten und Hoffnungsträger wie Sadam Hussein beraubt zu haben und gegen den islamistischen Terror zu kämpfen, muss endlich gehen und gleich nach ihm gehen auf Obamas Geheiß in die wohlverdiente Freiheit und Wiedereingliederung in ihre bisherige segensreiche Tätigkeit auch sämtliche so schrecklich victimisierten Al-Quaida Terroristen und Sympathisanten aus dem obsolet gewordenen Guantanamo: Freude in Reinkultur.

Der kalte Genocid der israelischen Agressoren am unschuldigen palästinensischen Volk in Gaza konnte als Tribut an Obamas Amtseintritt gestoppt werden.

Unter dem Beifall des türkischen Obama-Freundes Erdogan und mit Hilfe der in zahlreichen europäischen Städten abgehaltenen kraftvollen und friedlichen „Tod-den-Juden und „Israel-Mörder“ Skandier- und Flaggenverbrennungs-Demos der mit den überaus friedliebenden Hamasterror-Anhängern vereinten Kommunisten- Nazi- und Gutmenschszene und aus berechtigter Angst der israelischen Übeltäter vor der Augenbrauen-Hochzieh-Reaktion des neuen US-Präsidenten Obama nahezu bedingungslos und unter Rettung der freiheitsliebenden Hamas-Regierung und deren bewahrter Fähigkeit auch weiterhin harmlose Friedensraketen nach Israel abzuschiessen. Vorzeitig und ohne Erreichung der mordlüsternen Ziele des israelischen Kriegstreibers, sein ohnehin nur geraubtes Territorium und seine Bürger vor den ohnehin harmlosen Silvester-Knallern der Hamas-Patrioten zu schützen und den in aller Gastfreundschaft seit 870 Tagen verschleppten und gefolterten Israeli Shalid zu befreien, mit einem Satz: Freude pur.

Ohne Frage hilfreich bei dieser für die Hamas ehrenvollen Kräfte- und Waffensammel-Verschnaufpause durften die heimlichen Direkt-Absprachen der eindeutig Hamas-freundlichen Obama-Reiseemmissäre mit den tapferen Hamasführern im ach so frontnahen Damaskus gewesen sein.

Wichtig ist vor allem, dass die Mega-Spass-Party für den neuen Heilsbringer Obama nicht durch derartige Hässlichkeiten, wie sie der Schutz jüdischen Lebens vor dem Hamas-Terror darstellt, all zu sehr gestört werden - da wird man wohl erwarten dürfen, dass die Israelis schon im eigenen Interesse verstehen, wo man zurückzustecken hat.

Dass mit dem Rückzug der Israelis der Hamas-Terror und das Ermorden der vermeintlichen Kollaborateure unter der palästinensischen Gaza-Bevölkerung schon wieder begonnen hat, interessierte unsere Gutmenschen und die weltweite Obama-Jubelgemeinde ohnehin noch nie wirklich.

Freude über den Rückzug, Freude über Obama, reine Freude überall -- The show must go on -- die Stunde der Gutmenschen ist gekommen.

Ach ja, vielleicht noch eins für die Geschichtskenner unter den Fans des sich selbst in geistiger Nähe zu Lincoln wähnenden Barak Obama:

Ein Abraham Lincoln, der opferbereit gegen die südstaatlichen Sklavenhalter einen gerechten Krieg für eine gerechte Sache geführt hat, ist Obama nun wirklich nicht --- diese Parallele trifft sicherlich viel eher für Präsident George W. Bush zu, der in der künftigen Geschichtsschreibung mit großer Sicherheit nicht annähernd so schlecht wegkommen wird, wie es uns das Bündnis aus verbohrten globalen Amerika-Gegnern, EU-Klimahysterikern, hegemonialen im mittelalterlichen Wertesystem verharrenden Islamisten, pseudoprogressiven linken und ewiggestrigen rechten Feinden der westlichen Demokratie, eingefleischten Judenfeinden und Israelhassern und der schlicht einseitig erblindeten hypokritischen Gutmensch-Connection a la Claudia Roth und den verlogenen wasser-predigenden und wein-trinkenden Neu-Establishment Parvenues und RAF-Sympathisanten aus der 68er Hausbesetzer und Steinwerfer-Szene mit doppelter Moral und gleichzeitigem Ostermarschierer-Heiligenschein a la Jürgen Trittin.

In der absichtlich geschaffenen Intransparenz und Ungreifbarkeit seiner wirklichen politischen Standorte und Absichten wäre Barak Obama in der amerikanischen Sezessionszeit eher ein smarter und idealer Vertreter der opportunistischen "peace democrats", und der "copperheads" gewesen, die gegen Lincolns prinzipientreue - man ist versucht zu sagen - fast fundamentalistische - Haltung ohne Zögern bereit waren, das Ideal der Abschaffung der Sklaverei dem schnell vorzeigbaren Erfolg einer Waffenruhe mit dem feudalen Sklavenhalter-Süden zu opfern.

Wäre Abraham Lincoln tatsächlich wie unsere Gutmenschen Barak Obama sehen, wäre die Sklaverei vielleicht später, jedenfalls lange nicht in der von President Lincoln geprägten Zeit beseitigt worden.

Nur die Geschichte kann eine derartige Satire zu dem ersten vermeintlichen Vertreter des schwarzen Amerika schreiben.

Egal, heute steigt das Mega-Event und das Obama-Merchandising läuft zur Freude der Händler auf vollen Touren.

Der Umbau Amerikas beginnt und jeder verdient seine Chance.

Ob es wirklich eine Freude wird für die westliche Welt bleibt abzuwarten.

Nicht wenige Menschen in Amerika üben bereits " how to survive the obama years " . Vielleicht sollten wir uns zum Schutz vor der Übermacht der Gutmenschen anschließen. Yes, we sure should.....

Dr.Rafael Korenzecher

The War with Israel Is Over.................and they won.

By Youssef M. Ibrahim

To my Arab brothers: The War with Israel Is Over - and they won.

Now let's finally move forward.

With Israel entering its fourth week of an incursion into the same Gaza Strip it voluntarily evacuated a few months ago, a sense of reality among Arabs is spreading through commentary by Arab pundits, letters to the editor, and political talk shows on Arabic-language TV networks. The new views are stunning both in their maturity and in their realism. The best way I can think of to convey them is in the form of a letter to the Palestinian Arabs from their Arab friends:

Dear Palestinian Arab brethren:

The war with Israel is over.

You have lost. Surrender and negotiate to secure a future for your children.

We, your Arab brothers, may say until we are blue in the face that we stand by you, but the wise among you and most of us know that we are moving on, away from the tired old idea of the Palestinian Arab cause and the "eternal struggle" with Israel.

Dear friends, you and your leaders have wasted three generations trying to fight for Palestine, but the truth is the Palestine you could have had in 1948 is much bigger than the one you could have had in 1967, which in turn is much
bigger than what you may have to settle for now or in another 10 years.

Struggle means less land and more misery and utter loneliness. At the moment, brothers, you would be lucky to secure a semblance of a state in that Gaza Strip into which you have all crowded, and a small part of the West Bank of the Jordan. It isn't going to get better.

Time is running out even for this much land, so here are some facts, figures, and sound advice, friends. You hold keys, which you drag out for television interviews, to houses that do not exist or are inhabited by Israelis who have no intention of leaving Jaffa, Haifa, Tel Aviv, or West Jerusalem. You shoot old guns at modern Israeli tanks and American-made fighter jets, doing virtually no harm to Israel while bringing the wrath of its mighty army down upon you.

You fire ridiculously inept Kassam rockets that cause little destruction and delude yourselves into thinking this is a war of liberation. Your government, your social institutions, your schools, and your economy are all in ruins.

Your young people are growing up illiterate, ill, and bent on rites of death and suicide, while you, in effect, are living on the kindness of foreigners, including America and the United Nations. Every day your officials must beg for your
daily bread, dependent on relief trucks that carry food and medicine into the Gaza Strip and the West Bank, while your criminal Muslim fundamentalist Hamas government continues to fan the flames of a war it can neither fight nor hope to win. In other words, brothers, you are down, out, and alone in a burnt-out landscape that is shrinking by the day.

What kind of struggle is this? Is it worth waging at all? More important, what kind of miserable future does it portend for your children, the fourth or fifth generation of the Arab world's have-nots?

We, your Arab brothers, have moved on.

Those of us who have oil money are busy accumulating wealth and building housing, luxury developments, state-of-the-art universities and schools, and new highways and byways. Those of us who share borders with Israel, such as Egypt and Jordan, have signed a peace treaty with it and are not going to war for you any time soon. Those of us who are far away, in places like North Africa and Iraq, frankly could not care less about what happens to you.

Only Syria continues to feed your fantasies that someday it will join you in liberating Palestine, even though a huge chunk of its territory, the entire Golan Heights, was taken by Israel in 1967 and annexed. The Syrians, my friends, will gladly fight down to the last Palestinian Arab.

Before you got stuck with this Hamas crowd, another cheating, conniving, leader of yours, Yasser Arafat, sold you a rotten bill of goods - more pain, greater corruption, and millions stolen by his relatives - while your children played in the sewers of Gaza.

The war is over. Why not let a new future begin?

Youssef M. Ibrahim, a former New York Times Middle East Correspondent and Wall Street Journal Energy Editor for 25 years, is a freelance writer based in New York City and Dubai in the United Arab Emirates.

Solidarität light – with a little help from my friends…..

Von Dr. Rafael Korenzecher

In einer Welt, in der der die Medien und die veröffentlichte Meinung und damit auch das public feeling von der heuchlerischen Weinerlichkeit selbsternannter Gutmenschen und Verdreher des gesunden Menschenverstandes, Palästina-Versteher, selbstqualifizierter Nahost-Experten, verbohrter Israel-Gegner und mehr oder minder getarnter Judenfeinde dominiert werden, war es unerläßlich, gerade in Deutschland und dort vor allem gerade in Berlin mit einer eindeutigen Solidaritäts-Kundgebung für Israel und für sein - keinem anderen Land verweigertes - Recht auf Selbstverteidigung und Schutz seiner Bürger ein klares Zeichen zu setzen.

Es musste ein Zeichen gesetzt werden, dass es sie noch gibt, die Sympathie und Unterstützung für die einzige friedliebende Demokratie in der gesamten Region, die sich, ohne müde werden zu dürfen, jeden einzelnen Tag seit ihrem Bestehen - in einem sie umgebenden Meer des Terrors und des Hasses, der Menschen- und der Lebensverachtung - vor der physichen Vernichtung ihres Staates und ihrer Menschen unter nahezu unerträglicher Aufbietung zahlloser Opfer unter der eigenen Bevölkerung zur Wehr setzen muß.

In dieser Erwartung kamen die Menschen - Juden und Nichtjuden – am 11.01.2009 zum Breitscheidplatz, in dieser Erwartung haben wir, habe ich den Solidaritätsaufruf unterstützt und gezeichnet.
Das, was dann am frühen Nachmittag seitens der ausgewählten Redner über uns ergangen ist, wäre mit dem Wort enttäuschend unzulässig euphemistisch und falsch ettikettiert -- es war würdelos und es war - wie auch die berechtigt ablehnende Reaktion der bestürzten Kundgebungs-Teilnehmer auswies - bis zur Fassungslosigkeit beschämend.

Hätte es nicht die klaren - wenn auch in eindeutiger pro domo Absicht gesprochenen - Worte des iranischen Oppositionsredners Dr.Mousavi und die insgesamt positive Rede von Herrn Löhning gegeben, hätten die Redebeiträge von Walter Momper und insbesondere von Frau Eichstädt-Bohlig mit ihren eindringlichen Ausgewogenheitsermahnungen und Siedlungspolitik-Rügen an die Adresse Israels durchweg das Gefühl rechtfertigen können, sich auf einer Gegendemo zu befinden.

Vor allem die von Frau Eichstädt-Bohlig gegenüber Israel vorgenommene haarsträubende und faktenverdrehende moralische Schuldzuweisung, die in der Behauptung kulminierte, Israel könne diesen Krieg moralisch nicht gewinnen, stellte - neben seiner prinzipiellen Haltlosigkeit - auf einer Pro-Israel Veranstaltung einen handfesten Eklat dar.

Daran vermochten auch die, für eine Solidaritätskundgebung, allzu neutrale Rede von Frank Henkel und schon gar nicht die das eigene Publikum wegen seines deutlich bekundeten Unmuts rügende und ansonsten - statt der erforderlichen sofortigen Zurückweisung - angstmachend rückgratlose Moderation der führungsschwachen Gemeindevorsitzenden etwas zu ändern.

Die dennoch abschließend hingestammelten Dankworte der Initiatoren sind wohl eher als Zeichen der im Affekt verarbeiteten Ratlosigkeit zu verstehen, vermochten jedoch keinesfalls die aufgebrachten und trotz Kälte tatsächlich in Solidaritätsabsicht erschienenen Teilnehmer zu beruhigen.

Bleibt zu befürchten, dass die Schadenfreude aller aufrechten Israel-Hasser über diese verpasste Gelegenheit demonstrierter Solidarität ebenso wirkungslos an den hier zum Zuge gekommenen Gutmensch-Rednern abprallt, wie die Fakten und Kausalitätszusammenhänge, die der gegenwärtigen Bedrohung Israels zu Grunde liegen.

Mit Betroffenheit
Dr.Rafael Korenzecher


Siehe hierzu auch folgende Fremdbeiträge:
Berlin: Antiisraelische Tiraden auf Israel SolidaritätsDemo
Von Holger Raak
Für einen ausgewachsenen Eklat auf der Berliner Solidaritätskundgebung sorgte die Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Franziska Eichstädt-Bohlig…

Im Vorfeld der Kundgebung war ich sehr überrascht, als ich die Rednerliste las. Ich hatte meine Zweifel, ob Frau Eichstädt-Bohlig da auf der richtigen Veranstaltung sei - sagte mir, aber: Gut, wenn sie ihre Solidarität mit den Menschen in Israel erklären möchte, dann soll mir das Recht sein. Nur dann kamen die schlimmsten Ausfälle nicht etwa von den paar Dutzend Gegendemonstanten am Rande der Kundgebung. Nein, sie kamen direkt von der Bühne, auf Einladung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin….aus dem Munde von Frau Eichstädt-Bohlig. Mit ihrer Rede hätte sie problemlos einen Tag früher auf der Pro-Hamas-Demo der Palästinenser auftreten können.

Frau Eichstädt-Bohlig ging zunächst erstmal jedes Feingefühl für die Situation verloren - es war eine Solidaritätskundgebung FÜR Israel. Wem wollte sie mit ihrer mysteriösen Aussage: “…das beeinhaltet aber auch, es muss ein dauerhaftes Existenzrecht für die Palästinenser geben. …” erreichen. Denn das wird von niemanden in Frage gestellt. In Israel spricht den Palästinensern niemand das Existenzrecht ab oder will sie “ins Meer treiben”. Weiter meinte sie: “…(Israel) muss sich fragen lassen, ob das Ziel der Unterbindung der Raketenangriffe und des Waffenschmuggels nicht doch auch mit weniger brutalen militärischen Mitteln erreichbar ist!…” . Warum haben sie diese Frage nicht genau andersrum - an die Hamas - gestellt, Frau Eichstädt-Bohlig? Und wenn sie Israel jetzt schon den moralischen “Sieg” absprechen, dann drücken sie damit auch aus, dass Israel kein moralisches Recht hatte, gegen die Angriffe der Hamas vorzugehen und seine Bürger zu schützen. Hier bediente die grüne Rednerin den klassischen antisemitschen Stereotyp vom “amoralischen, blutrünstigen und brutalen” israelischen (jüdischen) Soldaten.

Natürlich verlor sie keine Silbe darüber, dass trotz der Terroranschläge Israel seit Jahren und auch aktuell in diesem Konflikt nicht nur umfangreiche humanitäre Hilfe in den Gazastreifen schickt, sondern dass Menschen aus dem Gazastreifen auch immer wieder zu notwendigen Behandlungen in israelische Krankenhäuser gehen können - denn solche profanen Tatsachen würden ja das hübsche Zerrbild stören, dass sich Frau Eichstädt-Bohlig zurecht gelegt hat. Und wenn die Hamas-”Kämpfer” dann so extreme Feiglinge sind, dass sie sich unter der Zivilbevölkerung verstecken, ist das moralisch verwerflich für jene und nicht für die israelischen Soldaten.

Es war immer nur zu hören, dass Israel “muss” und “soll”, aber die Palästinenser dagegen “dürfen” und “sollten”. Frau Eichstädt-Bohlig hätte dann auch mal sagen sollen, wie man mit der Hamas verhandeln soll, wenn diese nicht will bzw. Abkommen mit Füssen tritt. Was bewundernswert war, ist ihr Durchhaltevermögen: Denn so eine Rede bis zum Ende unter andauernden “Buh”-Rufen und Pfeifkonzerten durchzuhalten - das schafft nicht jeder.

Frau Eichstädt-Bohlig sollte eigentlich wissen, dass nicht Israel den Waffenstillstand, der schon vorher von der Hamas laufend gebrochen wurde, Ende Dezember aufgekündigt hat, sondern die Hamas sich diesen Luxus gönnte. Es waren israelische Zivilisten, die unter dem jahrelang andauernden Beschuss mit “selbstgebastelten” (wie Karin Storch, ZDF/Heute-Korrespondentin in Israel so absurd verniedlichend mitzuteilen wußte) Raketen zu leiden haben. Israel hat wiederholt die Hamas aufgefordert, diesen Beschuss zu unterlassen, sonst würde der Staat Israel zum Schutz seiner Bürger gezwungen sein, mit militärischen Mitteln zu antworten. Und es ist die Hamas, die sicher auf Weisung Irans, sich allen Waffenstillstandsverhandlungen widersetzt. Aber all das hat Frau Eichstädt-Bohlig nicht mitbekommen, denn nur so ist zu erklären, dass sie aus “tiefer Freundschaft” zu Israel nicht lautstark gegen die terroristische Hamas protestiert hat, sondern so wie sie es am Sonntag in einer völlig realitätsfernen Art und Weise gegen Israel getan hat.

Als diese Rednerin fertig war, meinte dann noch die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süßkind, man müsse ihr das Recht zur freien Meinungsäußerung lassen. Ja, sicher hat sie das Recht, aber die Teilnehmer der Kundgebung haben das Recht auch, und sie haben reichlich davon Gebrauch gemacht. Eine solche Belehrung hat niemand der Teilnehmer nötig! Vielleicht sollte sich die Gemeinde in Zukunft, wenn sie sich an die Initiative einer solchen Aktion anschließt, mit den Initiatoren im Interesse der Sache besser abstimmen, denn diese hätten von vornherein Frau Eichstädt-Bohlig nicht dabei haben wollen.

Quelle- Hagalil.com

Offener Brief an Frau Eichstädt-Bohlig von Dr. Elvira Grözinger

An Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus zu Berlin
Fraktionsvorsitzende Frau Eichstädt-Bohlig

Sehr geehrte Frau Eichstädt-Bohlig,

wie Sie sicherlich an den Reaktionen der Versammelten am 11.01.09 auf dem Breitscheidtplatz gemerkt haben, sind einige Passagen Ihrer Rede auf Widerspruch gestoßen, so auch bei mir – Stellvertretende Vorsitzende der deutschen Sektion der Wissenschaftlervereinigung Scholars for Peace in the Middle East -, der 21.000 Akademiker weltweit angehören, allerdings bei weitem nicht nur „Angehörige der jüdischen Weltgemeinschaft“, wie Sie es wiederholt genannt haben.
Erlauben Sie mir bitte daher, unseren Standpunkt darzulegen, der sich mit Ihrem nicht deckt.
Ich glaube Ihnen und freue mich, dass Sie für das Existenzrecht Israels in friedlichen Grenzen eintreten, das tun wir alle, nur nicht die Feinde Israels, wie Hamas, Iran, Al-Qaida, Hizbollah, die Moslem-Brüderschaft, Islamischer Djihad und wie sie alle heißen, die eine Allianz mit den extremen Rechten in Deutschland und anderswo (Mahler & co., um nur einen Namen zu nennen) bilden. Ich frage mich daher, und nicht nur ich, wie Sie denn angesichts solcher fanatischen und unversöhnlichen Fronten, denen Israel und die von Ihnen so genannte jedoch nicht existente „jüdische Weltgemeinschaft“ ja gegenüber steht, von Friedensverhandlungen sprechen können. Ich verstehe auch nicht, wie so Sie angesichts einer solchen „asymmetrischen“ Front ausgerechnet an Israel appellieren, sich zu mäßigen -das kann ich nicht nachvollziehen. Israel ist ein sehr kleines Land in einem Meer von Arabern, die es noch vor der Staatsgründung bekämpften (in den 1920 er Jahren, insbesondere aber der Mufti von Jerusalem, Hitlers Freund und Helfer, als es z. B. Massaker an der jüdischen Bevölkerung von Hebron gab. Wenn sich das kleine Land zudem seit dem Tag seiner Staatsgründung gegen die ihn angreifenden arabischen Nachbarstaaten militärisch nicht verteidigt hätte (und damals waren es nur ganz wenige und ganz schlecht ausgerüstete Menschen, die um ihr Leben kämpfen mussten), wäre Israel jetzt nicht 60 Jahre alt geworden.

Erlauben Sie mir daher – und ich erwähne es nicht gerne, muss es aber wohl in diesem Fall – als jemand, der die Bedrohung in diesem Land selbst erlebte, Ihnen zu sagen, dass Israel das einzige Land der Juden ist, ob als Land der niemals entschädigten Flüchtlinge aus den arabischen oder europäischen Staaten, oder als Hort der Überlebenden der Shoah, zu denen meine Eltern gehörten, die als einzige in ihren Familien den deutschen Mordzug überlebt haben. Dieses kleine Land mit den wenigen Millionen Einwohnern wird von so vielen Millionen Arabern bekämpft – sollte es sich denn nicht verteidigen? Tote Juden - darunter genug Israelis in all den blutigen Kriegen und auch in Friedenszeiten – stören weniger, ich weiß, und man gedenkt ihrer gerne, vielleicht sogar ehrlich. Aber die Juden wollen nicht mehr Opfer sein und sind deshalb nicht immer nur nett. Das scheint offenbar auch solche zu irritieren, die sich als Freunde Israels betrachten. Und die Deutschen sollten es am ehesten respektieren, denn nur knapp 70 Jahre nach dem Überfall auf Polen und dem nachfolgenden begangenen Zivilisationsbruch, wobei noch die damaligen Mittäter unter uns sind, sollten sich Deutsche meiner Meinung mit Ratschlägen an die Juden zurückhalten.
Wie Ihnen vielleicht nicht mehr erinnerlich, wollten die Araber das Existenzrecht Israels in ihrer Mitte niemals anerkennen. Sie wollten es in den 1950er Jahren nicht, als sie – als Freischärler – israelische Siedlungen angriffen, man wollte Israel immer „ins Meer werfen“ und es war auch nach dem Suez-Krieg nicht anders. Es ging so weiter in den 1960er Jahren, bis sie schließlich 1967 Israel wirtschaftlich zu strangulieren versuchten, indem Ägypten ihnen die Durchfahrt durch die Meerenge von Tirana versperrte. Der 6-Tage-Krieg, der glücklicherweise mit einem israelischen Sieg endete, machte große Hoffnung auf Frieden. Aber Ägypten hatte damals klugerweise abgelehnt, den Gazastreifen zurück zu nehmen, auch nachdem ihm Sinai zurückgegeben wurde, denn es wußte, was es damit erben würde. Nun hat Israel 2005 endlich den Streifen an die Palästinenser übergeben, doch was tat die Hamas, anstatt ihr Stück Land friedlich aufzubauen? Sie verlegte sich auf Raketenbeschuß der israelischen Städte, beraubte ihre Leute durch die Einführung der Scharia der wenigen Lebensfreude, die sie hatten, und nun raubt sie ihnen, da ihre Geiseln, das Leben.

Warum soll ISRAEL nun die Blockade beenden, die sowieso, trotz Krieg, ja sogar Lebensmittel-und Medikamentenkonvois aus Israel nach Gaza durchläßt? Um Waffenschmugglern und Selbstmordattentätern Tür und Tor zu öffnen? Und warum soll Israel seine Feinde ernähren, die anstatt die Gelder der Weltgemeinschaft, die millionenfach hinfließen zu friedlichen Zwecken zu verwenden, damit Waffenarsenale füllen, die gegen Israel gerichtet sind? Warum helfen die so reichen arabischen Länder den Palästinensern nicht? Warum werden die Palästinenser in Lagern gehalten und werden nicht in die brüderlichen Gesellschaften der arabischen Länder integriert, so wie es mit den deutschen Flüchtlingen hierzulande geschah? Oder mit den jüdischen Flüchtlingen in Israel? Warum hat Deutschland keine Kriege gegen Polen oder die Tschechoslowakei geführt, wo sie doch so viele Deutsche vertreiben oder ermordet haben, während die palästinensischen Flüchtlinge als Ausrede für Kriege gegen Israel verwendet werden und das auch noch mit Unterstützung der deutschen Medien und mancher deutschen Politiker!?

Hamas ist einer terroristische Organisation, so wie die Taliban eine terroristische Organisation sind. Gegen die Letzteren kämpfen ja bekanntlich unsere Soldaten mit anderen freiheitlichen Armeen in einem fernen Land um eine ja nicht unmittelbar an der eigenen Landesgrenze bedrohte Freiheit. Wenn jedoch Israel gegen die Hamas kämpft, die seine Bewohner mordet, das Überleben des einzigen jüdischen Staates zu sichern versucht, wird an die Adresse ISRAELS zur Mäßigung gerufen. Auch Sie taten dies am 11.1., und zwar unter Berufung auf die Verantwortung als Deutsche angesichts der deutschen Geschichte…

Es tut mir leid, Ihnen schreiben zu müssen, dass ich diese Logik nicht akzeptiere! Bitte appellieren Sie doch auch mal an die Hamas als eine immerhin gewählte Partei im Gazastreifen wie an die obenerwähnten Terroristen, sie mögen sich doch mäßigen, mögen endlich einen eigenen Staat neben Israel in sicheren Grenzen aufzubauen beginnen, den sie übrigens niemals in der Geschichte hatten, denn die von Ihnen erwähnte Westbank war jordanisches, nicht palästinensisches Staatsgebiet! Niemand hat den Palästinensern je einen Staat weggenommen, sie haben aber eine historische Chance, einen zu erlangen, wenn sie das denn wollten. Sie mögen sich doch auch mäßigen und endlich aufhören, israelische Bevölkerung zu terrorisieren, Kinder zu traumatisieren, und Menschen - auch dort gibt es unschuldige Frauen und Kinder - zu töten.

Sie haben gehört, was Frau Süsskind eingangs sagte, als sie Golda Meir zitierte. Das ist leider so, bis heute: Als ich am Rande einer Palästinenserdemo Ende Dezember in Berlin die moslemischen Frauen sah, die mit ihren Babies zur Demo strömten, wunderte ich mich, was ich meiner Begleiterin sagte. Das hat eine dieser Frauen gehört, sie drehte sich um, kam zu mir und sagte: „Wir machen Kinder gegen die Juden“.

Israel würde diesen Krieg moralisch nicht gewinnen, sagten Sie. Wieso? Was ist an einem Verteidigungskrieg unmoralisch? Unmoralisch sind doch vor allem diejenigen, die einen solchen Krieg vom Zaun brechen, und das ist die Hamas, die dadurch doch nur vor dem eigenen politischen und moralischen Scheitern in Gaza ablenken will.

Und wenn ich zum Schluß noch auf die Frage der Mauer eingehe, die, wie Sie und Herr Momper angesprochen haben, angeblich ein Hindernis auf dem Weg zum Frieden sei, so will ich Sie nur daran erinnern, dass es des Mauerbaus nur deshalb bedurfte, weil die Selbstmordattentäter dadurch am Eindringen gehindert wurden. Ich selbst bin nur dank nur einiger wenigen Minuten einem solchen Selbstmordanschlag in Jerusalem entgangen, der viele Todesopfer forderte. Ich will Ihnen nicht wünschen, in einem Land zu leben, an dem Sie vor jeder Mülltonne oder jedem Supermarkteingang Angst haben müssen und jede Busfahrt für Sie ein russisches Roulette ist.

In diesem Sinne bitte ich Sie, Ihre Bereitschaft und Ihr Engagement für den Frieden im Nahen Osten dahingehend zu nutzen, diejenigen vom Vorteil einer friedlichen Lösung zu überzeugen, die diese bisher konterkarierten. Israel ist hierbei die falsche Adresse.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Elvira Grözinger

Sonntag, 15. April 2007

De mortuis nihil, nisi bene - Der Fall Oettinger

..... noch einen Moment. Bald sind wir bereit.
Noch einen Moment. Bald ist es so weit!
Dann zeigen wir euch, was wir lernten!
Erich Kästner

De mortuis nihil, nisi bene - Der Fall Oettinger
Von Dr. Rafael Korenzecher

Die landesweit ausgebrochene Diskussion über den peinlichen, an dümmlicher Dreistigkeit kaum zu überbietenden Lügen-Nekrolog und Opferverhöhnungsexkurs des Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger am Grabe seines Amtsvorgängers und Totmach-Juristen Filbinger verhüllt trotz ihrer ganzen Legitimität und trotz des bevorstehenden Sturzes Oettingers dennoch den Blick auf die eigentliche Thematik. Die Beschränkung auf eine Personalisierung des Unrechts greift zu kurz und stellt bereits per se eine gefährliche – vielfach auch eine vorsätzliche – Bagatellisierung des gesellschaftlichen Problems dar.

Dem gesamten und erschreckenden Ausmaß dieses Problems wird man auch dann nicht gerecht, wenn man erkennt, dass es sich längst nicht mehr um einen Fall Oettinger sondern mindestens auch um einen Fall der moralisch verwahrlosten Lügen-Claqeure Strobl, Brunnhuber und Rech handelt. Allen Beteiligten ist nämlich ohne jeden Zweifel zu unterstellen, dass sie gegen besseres Wissen mit zynischem Vorsatz und kaltem politischen Kalkül an den unstrittigen historischen Gegebenheiten vorbei auf die breite Zustimmung der CDUBasis weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus zielen und - wie viele Diskussionsbeiträge belegen - leider auch treffen.

Unsere bundesrepublikanische Wirklichkeit ist voll von nahezu gleichartigen Bildern und Ereignissen, die sich in immer dichterer Chronologie aneinander reihen und in Furcht erregender Weise ähneln. Die zusehends unverfrorenere Relativierung nationalsozialistischen Unrechts, die zunehmende Verharmlosung des unsäglichen Leids der Naziopfer, die Geringachtung der Gefährlichkeit und Gefahr des allgegenwärtigen, breit und unverhohlen in nahezu allen Schichten und gesellschaftlichen Gruppierungen der Bevölkerung akzeptierten rechten Gedankenguts und seiner - wie die nahezu täglichen Vorfälle von Fremdenhass und Antisemitismus belegen - sich häufenden neonazistischen Auswüchse haben längst Wirkung gezeigt.

Von tragenden gesellschaftlichen Gruppierungen genährte Nationalstolz- und Schlussstrichdebatten, von eigener Schuld ablenkende Schuldzuweisungen an die historischen Rolle und Gegenwartspolitik anderer Nationen sowie die - unter bewusster Weglassung von Ursache und Wirkung - wachsend vorgetragene Larmoyanz über deutsche Opfer vermeintlicher alliierter Kriegsgräuel ergänzen diese gesellschaftlichen Veränderungen in synergistischer Weise. In diesem unseligen Trend liegen auch die zur besten Sendezeit ausgestrahlten – wieder unter Weglassung von Ursache und Wirkung - ausschließlich die Beschwernisse und Verluste der deutschen Ost-Kolonisatoren schildernden kommerzialisierten Herzrühr- und Tränendrück-Filme wie etwa der Publikumsrenner „Die Flucht“. Im gleichen Sinne und teilweise bis zur Verklärung der Nazigrößen wirken die - auf Schaffung menschlicher Nähe zu den Nazi-Schergen zielenden - Streifen wie der „Der Untergang“, „Der Bunker“ oder gar dem Thema völlig unangemessene Schundkomödien wie „Mein Führer“. Unterstützt wird diese Verharmlosung und Verdrängung der unsäglichen Verbrechen des Naziregimes sowie der Schuld der Beteiligten, der Profiteure und der Mitläufer durch die zwischenzeitlich inflationierte Anzahl von Fernseh-Talkshows mit altersstarrsinnig neinsichtigen, vermeintlich viktimisierten, dem fremden Leid gegenüber völlig verhärteten und wehleidigen Naziveteranen oder deren Witwen.

Die Saat eines Ernst Nolte, Philipp Jenninger, Martin Hohmann, Martin Walser, Jürgen Möllemann aber auch Walter Mixa und Gregor Hanke und ihrer zahlreichen Gesinnungsgenossen ist wirklich aufgegangen: Während von politisch verantwortlicher Seite mit Hilfe der Einzelfall-Lüge klein geredet oder sogar vernebelt wird, dass in ständig wachsenden rechtsradikalen „no go-areas“ und so genannten national befreiten Gebieten vor den Augen günstigen Falls gleichgültiger und häufig untätiger Mitbürger und Ordnungskräfte immer öfter verbale und physische Übergriffe auf Fremde und fremdländisch aussehende Deutsche stattfinden, während jüdische Mitbürger - wie der Kippa-Test und tätliche Angriffe auf Rabbiner beweisen - es kaum noch wagen können, sich ungefährdet als Juden erkennen zu geben und farbige Personen ohne Gefahr gar nicht oder nicht mehr allein öffentliche Verkehrsmittel und andere öffentliche Bereiche nutzen können, während in der Bundeswehr immer neue Skandale wie etwa die eben bekannt gewordene Hass- und Agressions-Motivierung durch befohlene rassistische Fokussierung auf den „schwarzen Mann“ geübt wird und während unter der Führung eines einschlägig geschichtlich vorbelasteten deutschen Papstes der Klerus einen ideologischen Feldzug gegen Israel führt, mit dem Ziel geschichtliche Fakten soweit zu verfälschen, um aus dem mit den Nazis sympathisierenden Wegsehpapst Pius XII einen Widerstandskämpfer mit Heiligenschein zu machen, kann es doch niemanden, der nicht als Heuchler gelten möchte, wirklich verwundern, wenn in Baden- Württemberg ein Ministerpräsident versucht, sich beim Wahlvolk beliebt zu machen und in gleicher Weise den bis zum Tode uneinsichtigen NS-begeisterten Exekutionsjuristen Filbinger an der historischen Wahrheit vorbei mit einem Persil-Schein zu versehen und ihn zum Nazi-Gegner zu stilisieren.

Immerhin – und auch das ist bundesrepublikanische Wirklichkeit – kommen Personen mit verwandter Geisteshaltung verrstärkt zu Amt und Würden und machen unbehindert politische, kirchliche und gesellschaftliche Karrieren. Ebenso wenig karrierehinderlich oder Anstoß erregend - auch für allerhöchste Positionen - sind alte Mitgliedschaften in der NSDAP oder anderen NSOrganisationen wie der Hitler Jugend. Eine nahezu mit Koketterie vorgebrachte Einräumung der Zugehörigkeit zu einer Mordorganisation wie der Waffen-SS wird heute clever als geschicktes Werbemittel zur Absatzförderung eines sonstig unbeachteten drittklassigen Literaturelaborats verwendet. Hier liegt das wirkliche Problem: Es ist in der BRD wieder salonfähig und sogar opportun sich betont nationalbewusst und in rechter Gesinnung zu präsentieren. Das bringt Wohlwollen und Wählerstimmen und darauf zielt die skrupellose - keinesfalls durch die nachgeschobene Pietätsbegründung gegenüber einem Toten gedeckte - Geschichtsverdrehung Oettingers und seiner Parteifreunde. Daran ändert auch die anerkennenswerte und schnelle Reaktion der Kanzlerin nichts. Die Schelte, die sie dafür von der Südwest-CDU einstecken muss, ist ein weiterer Beleg hierfür.

Ein kleiner wenn auch unwesentlicher Trost bleibt - Oettinger wird trotzdem gehen müssen. Sein Pech ist es, dass zu den Opfern Filbingers nicht die üblichen Opfer ohne Lobby sondern die eher untypische Gruppe deutscher Wehrmachtssoldaten gehört. Dies zu leugnen wird auch einem Oettinger nicht verziehen werden.

Dr. Rafael Korenzecher
Jewish Berlin Online
http://drkorenz.myblog.de

Glanz und Elend der Gabriele P. - Geschichte eines Abstiegs

von Dr. Rafael Korenzecher

Neben allem anderen, was die jüngste Latex-Photoorgie der Provinz-Femme-Fatale Pauli und das von ihr bei ihren Selbstdarstellungs-Talkshows den Zuschauern plakativ hergezeigte Fußkettchen über die psychologischen Persönlichkeitsabgründe der Stoiber-Dompteurin offenbaren , ist es vor allem der vorgeführte eklatante Mangel an selbstdistanter Urteilskraft, der dieses CSU-Kuckucksei politisch nicht mehr tragfähig macht.

Vermutlich wird es eben diese Urteilsschwäche sein, die Frau Dr.Pauli zur Zeit noch davon abhält, freiwillig von der politischen Bühne abzutreten, um endgültig mit den Naddels, Kader Loths und Tatjana Gsells unserer bundessrepublikanischen Spaßgesellschaft in die sinnentleerte Glitzerwelt der Yellow Press abzutauchen. Für besonders hartnäckige Exhibitionisten(innen) gibt es auch – dem Dumm-Mach-Fernsehen sei’s gedankt – immer wieder Bedarf im Big-Brother Haus.

Allerdings bleibt die Befürchtung, dass Deutschland auch trotz des grellen Auftritts der bayerischen Landrätin wohl weiterhin den Superstar wird suchen müssen.

Freundlichst
Ihr
Dr. Rafael Korenzecher
2.4.07 12:52

Mittwoch, 28. März 2007

Evi, Heinz und die deutschen Bischöfe

Von Dr.Rafael Korenzecher (http://drkorenz.myblog.de/drkorenz/)

1. Unter Bezugnahme auf meinen publizierten offenen Brief an die Deutsche Bischofskonferenz wegen der missglückten und gänzlich untragbaren Äußerungen ihrer Bischöfe anlässlich einer Israelbesuchsreise sehe ich mich veranlasst, wegen etlicher der mir zwischenzeitlich recht zahlreich zugegangenen Leserkommentare, und den darin zum Teil enthaltenen mehr als fragwürdigen und minimalisierenden Versuche, das wesentliche Merkmal der Unterscheidung zwischen den Lebensbedingungen der wehrlosen jüdischen Opfer in den Ghettos der Nazis und den Lebensbedingungen der Palästinenser, vor allem quantitativ an der Zahl der Opfer aufzumachen, hier noch folgenden klarstellenden Zusatz anzufügen:

Der Vergleich der Lebensbedingungen der palästinensischen Bevölkerung - deren wirkliche und eigentliche Bedrohung nicht Israel sondern ihre eigenen hypokritischen und selbstsüchtigen arabischen Mentoren und ihre eigene unversöhnliche und lebensverächtliche Führung ist - mit dem unsäglichen Elend und der aussichtslosen Agonie der von den Nazischergen ins Warschauer Ghetto willkürlich gepferchten Juden, ist nicht einfach nur unzulässig und verharmlosend, er ist aufs unerträglichste verlogen, geschichtsklitternd und infam.

Das Besondere, Bestürzende und Angstmachende dieses Falles ist aber, dass dieser Vergleich nicht von irgendwelchen fanatisierten und keiner Einsicht zugänglichen Islamisten oder von - an der Debilitätsgrenze durchs sinnentleerte Leben taumelnden - tumben neonazistischen Glatzen angestellt worden ist, sondern - gegen besseres Wissen - von prominenten und Vorbild gebenden Mitgliedern der geistigen und geistlichen Führung der Kirche, denen man als Bischöfen und hohen Vertretern der bundesrepublikanischen Bildungselite unzweifelhaft einen hohen humanistischen Bildungsgrad und profunde geschichtliche Kenntnisse attestieren kann und deshalb Vorsatz und ideologische Zündelei unterstellen muß.

2. Bezüglich des mir - in Kritiken zu meinem Beitrag mit kaum verhohlener Schadenfreude von aufrichtigen Vertretern des von den Bischöfen geschürten konfessionsübergreifenden antijüdischen Sentiments - immer wieder vorgehaltenen Absolutions-Interviews der Galinski -Tochter Evelyn Hecht-Galinski im Deutschlandfunk, erlaube ich mir noch folgende Anmerkung und den Versuch einer Diagnose :Die privaten, überaus naiven, unzutreffenden, teilweise bösartigen und vor allem die eigene Vita aufarbeitenden Ansichten von Frau Evelyn Hecht-Galinski zu den geschichtsverdrehenden Äußerungen der Bischöfe in Israel und zu der vermeintlich ungerechtfertigen und kritiklosen Bevorzugung Israels durch die deutsche Politik werden durch den familiären Bezug der Interviewgeberin zu Heinz Galinski weder sachgerechter noch kompetenter.

Vielmehr spiegeln sie in unglücklicher und bemitleidenswerter Weise den - sogar die Radio-Interviewerin des Deutschlandradios irritierenden - absichtsvoll und provokativ konstruierten Bruch einer Tochter mit dem politischen Lebenscredo ihres berühmten Vaters wieder, auf dessen Bekanntheit sie aber in trotziger Inkonsequenz und der Einsicht, dass ihr wohl sonst kaum jemand zuhören würde, bei keinem ihrer - dem staunenden und peinlich berührten Publikum aufgedrängten - Auftritte jemals zu verzichten bereit war - "Ich heiße Evelyn Hecht Galinski und bin die Tochter von Heinz Galinski" .

Aus psychologischer Sicht handelt es sich meines Erachtens wohl noch am ehesten um ein reifeverzögerndes Verweigern der Überwindung der spätpubertären Trotzphase als Zeichen eines ohnmächtigen Aufbegehrens gegen den postmortalen Schatten einer in der kindlichen Perzeption der Erlebenden als egomanisch und unduldsam empfundenen übermächtigen Vaterfigur. Dieses mit progredientem Wahrnehmungs- und Urteilsverlust sowie einer massiven Realitätseintrübung vergesellschaftete Gudrun Enslin und Patricia Hearst-Syndrom ist - völlig unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen oder sozialen Gruppe - ebenso typisch in seiner pathologischen wie bedauerlich in seiner menschlichen Komponente.

Armer Heinz, arme Evi !

Dr. Rafael Korenzecher


Zum Nachlesen: Offener Brief an die Deutsche Bischofskonferenz:
Kirche und Judentum - Eine Bischofsreise nach Israel
Von Dr.Rafael Korenzecher

Alles bleibt beim alten.....Dabei spielt es keine Rolle, ob auch diesmal wieder nachträgliche und allzu leise hingeheuchelte -ausschließlich der medienwirksamen Politraison gezollte - Pseudorichtigstellungen des durch einige öffentliche Ohrfeigen kurzfristig erschreckten Klerus gefolgt sind.Einige Vertreter der Kirche haben mit der aus tiefster katholischer Seele ausgebrochenen Spontaneruption des von großen Teilen der Kirche seit jeher gelebten antijüdischen Sentiments enttarnend klargestellt, dass man sich auf ihre Beständigkeit und doktrinäre Unbelehrbarkeit in puncto Judenvorbehalt wirklich verlassen kann.Damit und mit einem tiefen Seufzer, zu dem einen jüdischen, seit 2000 Jahren auch von den Christen in Anspruch genommenen und sehr oft missbrauchten Gott, könnte man eigentlich zur Tagesordnung übergehen: Im Vatikan nichts Neues..!!

Der Vergleich der Lebensbedingungen der palästinensischen Bevölkerung - deren eigentliche und größte Bedrohung ihre eigenen hypokritischen und selbstsüchtigen arabischen Mentoren und ihre eigene unversöhnliche und lebensverächtliche Führung ist - mit dem unsäglichen Elend und der aussichtslosen Agonie der Juden im Warschauer Ghetto ist nicht einfach nur unzulässig, er ist verlogen, geschichtsklitternd und infam.Das Besondere und Unerträgliche hieran ist aber, dass dieser Vergleich nicht von irgendwelchen fanatisierten und keiner Einsicht zugänglichen Islamisten oder von an der Debilitätsgrenze durchs sinnentleerte Leben taumelnden tumben neonazistischen Glatzen angestellt worden ist, sondern von deutschen Bischöfen, d.h. von prominenten und Vorbild gebenden Mitgliedern der geistigen und geistlichen Führungselite der bundesrepublikanischen Gesellschaft, denen man ungeprüft einen hohen Bildungsgrad und profunde geschichtliche Kenntnisse attestieren kann.

Diese in perfider Gutmensch-Scheinheiligkeit - noch dazu unmittelbar nach dem noch eben zuvor der zentralen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem abgestatteten Pflicht - und Alibibesuch - sehr zum Wohlgefallen der palästinensischen Autoritäten angestellten Vergleiche sind weder zufällig noch unbedacht, sie sind gesinnungsenttarnend und zielen treffgenau auf die Relativierung des unsagbaren Leids der jüdischen Opfer und somit auf die Relativierung der Schuld der Täter und deren damaliger Mitläufer aus den eigenen Reihen.Sie sind gleichzeitig ein Beschwichtigungsbeitrag für die argwohngeschüttelten erzkonservativen und ewiggestrigen Kräfte zu Hause, denen jede Annäherung der Kurie an die Juden und deren Staat bis ins schwarze Mark suspekt ist. Wegen der Funktion der - stellvertretend für große Teile der Kirche auftretenden - deutschen Bischöfe als höchste Vertreter der deutschen Christenheit wirkt ihr Vorgehen in dualer Weise als geschichtliche Schuldrelativierung Nazi-Deutschlands und der in jener Zeit überaus angreifbar agierenden Kurie gleichermaßen. Das - trotz des spürbar kurzatmigen Rückziehers des Kardinals Lehmann - als manifester antijüdischer Eklat zu bewertende Verhalten der Bischöfe und ebenso ihre danach als Entschuldigungsersatz hingeholperten Halbherzigkeiten demaskieren erkennbar dieses allzu vordergründige Anliegen weiter Kirchenkreise.

Diese Kirche, die bei der Verfolgung ihrer Ziele und Dogmen in weiten Teilen Mitgefühl nicht kannte und nicht kennt und die die jüdische Herkunft ihres eigenen Gottes beharrlich verschwiegen und geleugnet hat, trägt mit ihrem jahrhundertelang und bis weit in die Neuzeit von ihren Päpsten praktizierten, gelebten, gepredigten und nur gelegentlich als theologischen Antijudaismus begrifflich getarnten Antisemitismus die Hauptverantwortung für die antisemitischen Exzesse und Atrozitäten im gesamten Abendland.Sie ist - trotz der Schar einiger Aufrechter aus ihren Reihen - neben den Nazi-deutschen Tätern, auch mitverantwortlich für den jüngsten Holocaust am jüdischen Volk. Mit Zustimmung und im Namen dieser Kirche wurden zahllose Verbrechen gegen die Menschheit im allgemeinen und gegen die Juden im besonderen begangen. Mit ihrer unversöhnlichen Missionarisierungs- und Hegemonialpolitik hat diese Kirche historisch nachweisbar die Ursachen für viele bis heute weltweit schwelenden Konflikte geschaffen und am Leben erhalten.Die von den deutschen Bischöfen in Israel nur spärlich mit dem Deckmantel angeblichen Mitgefühls und aufgesetzter Anteilnahme verdeckten, gegen besseres Wissen erstellten Vergleiche der gegenwärtigen palästinensischen Lebenssituation mit dem Leid der Juden in den Ghettos und Lagern des Naziregimes, reihen sich fast nahtlos in die bis jetzt - trotz gegenteiliger Behauptung – von weiten Teilen dieser Kirche nicht abgelegten Feindbilder und Antichrist-Ideologien ein, die nicht zuletzt auch dem Judenhaß der Nationalsozialisten als Vorbild und als Alibi gedient haben.

Die das Verbrechen an den Juden verharmlosenden Vergleiche der kirchlichen Emissäre können aber auch nicht wirklich verwundern vor dem mit allerlei Konzils- und Kirchentagsgaukeleien bewußt vernebelten Hintergrund, dass sich weite Teile der christlichen Kirche insgesamt - der reformierten und der katholischen - von ihren judenfeindlichen Leitfiguren gar nicht oder nicht eindeutig distanziert haben.Dies gilt in der evangelischen Kirche für deren Begründer, den Reformer und dezidierten Antisemiten Luther, in der katholischen Kirche für die zahlreichen päpstlichen Antisemiten ihrer Geschichte.Dazu gehören die Kreuzzugs-, Judenstigmatisierungs- Zwangstauf- und Inquisitionspäpste des 12. Und 13.Jahrhunderts, darunter Papst Urban II., Innozenz III. Und Gregor IX. Hierunter fällt ebenso der Juden-Ghettoisierungspapst des 16. Jahrhunderts Paul IV., wie die judenfeindlichen Päpste des 19.Jahrhunderts, unter denen allen voran der von der ganzen zivilisierten Welt - mit Ausnahme der katholischen Kirche - bereits in seiner eigenen Zeit mit Abscheu geächtete Entführer und Zwangsadoptierer des jüdischen Kindes Edgardo Mortara, der Judenhasser und Ghettowiederaufbauer Pius IX. Schließlich und sehr zum Missfallen höchster Kirchenkreise ist an dieser Stelle auch keinesfalls der mit den Nazis und deren Judenpolitik sympathisierende Wegsehpapst Pius XII auszulassen, der noch bis zur endgültigen Erkenntnis über die Aussichtslosigkeit des Hitler-Krieges einvernehmlich und vorsätzlich zu dem ihm durchaus bewussten und bekannten Genozid am jüdischen Volk schwieg, während seine Priester in Kroatien bei der Liquidierung der Juden selbst Hand anlegten, seine Bischöfe in Deutschland sich zwar gegen die Euthanasie an Nichtjuden aber keinesfalls gegen den Mord an Juden ausgesprochen haben und seine diplomatischen Emissäre noch nach dem verlorenen Krieg Naziverbrechern falsche Pässe zur Flucht vor den Alliierten verschafft haben, obwohl sie nicht bereit waren, dies auch vorher für verfolgte Juden zu tun.

Diese Kirche hat sich bis heute nicht vollständig von dem antijüdischen Morast ihrer Geschichte gereinigt und hat sich von den geschichtlichen Antisemiten in ihren Reihen nicht nur nicht losgesagt - von der in vielen anderen Fällen so leicht von der Hand gehenden Exkommunikation ganz zu schweigen - sondern hat etliche dieser Judenfeinde und -verfolger, wie etwa den - gegen weltweiten Protest - im Jahre 2000 seliggesprochenen Judenhasser Pius IX ., auch noch gefeiert, mit Heiligsprechungen ausgezeichnet und unsterblich gemacht.In weiten Kreisen dieser Kirche lebt der unselige Geist des Antisemitismus von gestern auch heute noch in mannigfaltiger Gestalt und offiziell geleugneter aber ungebrochener Vitalität weiter, und dies trotz des Zweiten Vatikanischen Konzils und des bei weitem überschätzten Fastensonntags -Reuegelöbnisses von Johannes Paul II. Ihre Freundeskreise - wie etwa das Webportal Kreuz.net oder der Arbeitskreis Konservativer Christen betreiben Internetseiten , die von großen Teilen der Kirche unwidersprochen bereits die halbherzige Entschuldigung der Bischöfe für deren israelische Entgleisung als ein Kleinbeigeben gegenüber den Juden beklagen, oder sich in vaterländischem Stammtischgejohle und Hohmann-Lobreden ergehen.

Eine solche Kirche, die das Purgatorium predigt aber an sich selbst nicht vollzieht, hat das verloren, was sie eigentlich am meisten bräuchte, Glaubwürdigkeit und moralische Kompetenz. Ihr einseitiges Urteil oder gar eine Verurteilung des israelischen Überlebenskampfes ist daher schon per se verdächtig. Große Teile dieser Kirche fühlen sich - den Aufrechten in ihren eigenen Reihen zum Trotz - von Geistlichen mit dem Geschichtsbewusstsein eines Hanke oder Mixa, die sie systemimmanent zu ihren bischöflichen Vertretern gemacht und nach dem Eklat nicht etwa abberufen haben, offenbar mehr als würdig vertreten. Bezüglich ihrer immer wieder in hoffnungsloser Eigenüberschätzung selbsteingeforderten Anerkennung als allgemeinverbindliche moralische Instanz ist einer solchen Kirche auch angesichts des neu aufgesetzten regenbogenpressefähigen jovialen Mäusefang-Populismus und des "Wir sind Papst - Geredes" unter den bestehenden Gegebenheiten nicht zu helfen.Erich Kästner hat sich tatsächlich nicht geirrt: ".... da hilft kein Zorn, da hilft kein Weinen, da hilft kein Beten, die Nachricht stimmt, aus dieser Kirche ist der liebe Gott längst ausgetreten."

Dr. Rafael Korenzecher Readers Edition 22.03.2007


Zum Nachlesen --- Original-Interview mit Evelyn Hecht-Galinski
Deutschlandfunk9.3.2007"Ghetto ist heute ein gebräuchlicher Begriff"

Evelyn Hecht-Galinski kritisiert Zentralrat der Juden, Moderation: Doris Simon

Anlässlich des Streits um Äußerungen einiger katholischer Bischöfe zu den Zuständen in den Palästinensergebieten hat Evelyn Hecht-Galinski ihre scharfe Kritik am Zentralrat der Juden in Deutschland erneuert. Der Zentralrat habe sich "wieder mal als Sprachrohr der israelischen Regierung" betätigt. Die Tochter des ehemaligen Zentralratspräsidenten Heinz Galinski bedauere es, dass Kardinal Lehmann "diese sehr moderaten Äußerungen zum Teil zurückgenommen" habe.Den vollständigen Artikel erreichen Sie im Internet unter der URLhttp://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/602717/
09.03.2007 http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/602717/bilder/image_main/"
"Ghetto ist heute ein gebräuchlicher Begriff"
Evelyn Hecht-Galinski kritisiert Zentralrat der Juden
Moderation: Doris Simon

Anlässlich des Streits um Äußerungen einiger katholischer Bischöfe zu den Zuständen in den Palästinensergebieten hat Evelyn Hecht-Galinski ihre scharfe Kritik am Zentralrat der Juden in Deutschland erneuert. Der Zentralrat habe sich "wieder mal als Sprachrohr der israelischen Regierung" betätigt und bezeichne "jüdische Kritiker als jüdische Antisemiten". Die Tochter des ehemaligen Zentralratspräsidenten Heinz Galinski bedauere es, dass Kardinal Lehmann "diese sehr moderaten Äußerungen zum Teil zurückgenommen" habe.

Doris Simon: Nur langsam beruhigt sich die Auseinandersetzung um Äußerungen einiger katholischer Bischöfe zu den Zuständen in den Palästinensergebieten. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz Kardinal Lehmann hat inzwischen erklärt, er halte die Kritik der Bischöfe Hanke und Mixa für nicht angemessen. Sie hatten während einer Israelreise der Bischofskonferenz die Situation in Ramallah mit dem Warschauer Ghetto verglichen beziehungsweise sich an Rassismus erinnert gefühlt. Demagogie und Antisemitismus warf darauf hin der israelische Botschafter beiden vor. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland reagierte empört. Evelyn Hecht-Galinski arbeitet aktiv mit bei den Europäischen Juden für einen gerechten Frieden, die engagieren sich für einen Ausgleich mit den Palästinensern. Frau Hecht-Galinski ist jetzt am Telefon. Guten Morgen!Evelyn Hecht-Galinski: Guten Morgen Frau Simon!Simon: Frau Hecht-Galinski, überrascht Sie die Schärfe der Auseinandersetzung?Hecht-Galinski: Die überrascht mich und überrascht mich nicht, weil vom Zentralrat bin ich nichts anderes gewöhnt. Er hat sich wieder mal als Sprachrohr der israelischen Regierung betätigt und hat sich an die israelische Botschaft heran gehängt und bezeichnet Kritiker als Antisemiten, jüdische Kritiker als jüdische Antisemiten oder jüdische Selbsthasser oder Juden, die in der Identitätskrise stecken. Das bin ich gewöhnt, und ich auch keine Einzelmeinung mehr, wie das immer hingestellt wird vom Zentralrat. Ich bedauere es nur sehr, dass die, wie Sie schon vorher anmoderiert haben, dass die Bischöfe beziehungsweise Kardinal Lehmann schon wieder diese Äußerungen, diese sehr moderaten Äußerungen zum Teil zurückgenommen haben oder sich entschuldigt haben.

Simon: Moderat, finden Sie den Vergleich mit dem Warschauer Ghetto moderat?Hecht-Galinski: Ich kann diese Vergleiche so nicht nachvollziehen, weil, wenn man morgens in Jad Vaschem war, diese Ausrottung des europäischen Judentums gesehen hat, die leider nicht mehr rückgängig zu machen ist, und dann in die besetzten Gebiete fährt, dieses Elend sieht, diese Mauer, die sich durch palästinensische Gebiete zieht, diese unrechtmäßige Besatzung, dann muss man von einem Riesenghetto beziehungsweise Riesenfreiluftgefängnis sprechen, das die israelische Regierung in den besetzten Gebieten einrichtet.Simon: Aber muss es immer gleich der Vergleich mit dem Holocaust sein?Hecht-Galinski: Es ist nicht der Vergleich mit dem Holocaust. Ghetto ist heute ein gebräuchlicher Begriff, das betrifft die Vorstädte, das betrifft amerikanische Ghettos, das ist ein normaler Begriff.Simon: Was sagen Sie denn dazu, der Vergleich mit dem Holocaust war antisemitisch, demagogisch, so der Vorwurf zum Beispiel der israelischen Botschaft, auch des Zentralrates?Hecht-Galinski: Ja, ich sagte ja schon, das ist die gängige Wortwahl, um Kritiker mundtot zu machen.Simon: Könnte das nicht auch ein grober Klotz auf einem groben Keil sein?Hecht-Galinski: Ich fand den groben Keil von den Bischöfen überhaupt nicht grob. Im Gegenteil: Ich fand ihn, wie gesagt, sehr moderat. Die Bischöfe haben endlich mal ein paar Worte ausgesprochen. Normalerweise hört man ja gar nichts mehr. Die deutsche Politik ist hinter den israelischen Medien verschwunden. Die deutsche mediale Berichterstattung zeigt das Elend auch nicht mehr genug, und deswegen muss ich sagen, bedauere ich es nochmal sehr, dass es jetzt schon wieder einen Rückzieher gegeben hat.

Simon: Der israelische Botschafter in Deutschland hat ja ausdrücklich gesagt, Kritik an Israel sei legitim, es käme auf die Wortwahl und die richtigen historischen Zusammenhänge an.Hecht-Galinski: Ja, sicherlich. Das ist immer die gängige Meinung und die gängigen Aussprüche. Sobald aber Kritik geäußert wird, wird diese Kritik sofort mit Antisemitismusvorwürfen gleichgesetzt, und dadurch werden die Politiker auch mundtot gemacht. Sehen Sie, damals nach dem Streubombeneinsatz ist die Frau Wieczorek-Zeul angegriffen worden. Sie hören heute nichts mehr. Es ist alles verschwunden. Jedes kritische Wort wird sofort im Keim erstickt. Simon: Ist das typisch aus Ihrer Sicht für Deutschland oder gilt das auch für anderer Länder?Hecht-Galinski: Das gilt auch für andere Länder. Überall wo, ich muss es leider sagen, wie Tony Judt das auch schon festgestellt hat, die jüdisch-israelische Lobby mit ihrem Netzwerken am Arbeiten ist, das zieht sich heute über die ganze Welt, und dank Amerika ist die Macht so groß geworden, dass wir als europäische Juden für einen gerechten Frieden zwar eine Minderheit sind, aber immer stärker werden in der ganzen Welt. Und ich muss Ihnen ehrlich sagen, ich habe mir das Lebensmotto meines Vaters zu Eigen gemacht: Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen.

Simon: Ihr Vater, das muss man vielleicht noch mal erwähnen, war Heinz Galinski, der frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland. Und wenn Sie von Ihrer Organisation Europäische Juden für einen gerechten Frieden sprechen, und Sie sagen schon, Sie sind in der Minderheit, wie fühlen Sie sich denn innerhalb der jüdischen Gemeinde in Deutschland?Hecht-Galinski: Ich fühle mich in der Hinsicht nicht mehr dazugehörig zu der normalen Mehrheit, weil diese Mehrheit also absolut nur die israelische Politik unterstützt, und ich bin deutsche Jüdin und möchte nicht missbraucht werden für - das habe ich schon mal gesagt - eine israelische Politik, die auf keinem Boden des Rechts und auf keinem demokratischen Verständnis mehr steht.Simon: Ihre Kritiker werfen Ihnen Selbsthass vor.Hecht-Galinski: Ja, ich sage ja gerade, das ist ein gängiger Begriff in jüdischen Beschimpfungen. Da kann ich also wirklich nur müde darüber lächeln. Simon: Was für Auswirkungen wird denn die scharfe Kritik jetzt an der Kritik der Bischöfe sowohl aus Deutschland vom Zentralrat als auch aus Israel haben? Im April reist ja eine hochkarätige Delegation der Evangelischen Kirche Deutschland nach Israel.Hecht-Galinski: Ja, das wird wohl die Auswirkung haben, dass die Evangelische Kirche sich gar nicht mehr zu Wort melden wird beziehungsweise eine Tourismusreise unternehmen wird und die schönen israelischen Gebiete sieht und wahrscheinlich nichts mehr sagen wird. Und ich finde sogar, es besteht eine Fürsorgepflicht für die Christen, die sich so einsetzen, die unter schwersten Bedingungen nach Israel fahren, um dann in die besetzten Gebiete zu kommen, was ja eigentlich verboten ist, um den Palästinensern dort zu helfen oder den zwei Prozent noch verbliebenen Christen, und die zwei Prozent von 20 Prozent ehemalig verbliebenen Christen, die sind nicht wegen der Moslems gegangen, im Gegenteil, die hoffen sehr, dass die Christen noch bleiben, sondern die sind wegen der israelischen Schikanen gegangen.

Simon: Das heißt, Sie gehen letztlich davon aus, dass die ganze Auseinandersetzung jetzt Israel und allen Menschen, die dort leben, eher schadet als nutzt?Hecht-Galinski: Ja, selbstverständlich. Im Endeffekt wird diese ganze israelische Politik auch dem Staat Israel nur schaden, auch wenn das heute noch nicht so gesehen wird von vielen Leuten. Aber es kann nur in ein absolutes Unglück führen, was dort passiert, weil man kann nicht ewig ein ganzes Volk unterdrücken und sich wirklich - ich muss diese Vergleiche wagen -, wir haben ja gerade erlebt, was im Zweiten Weltkrieg passiert ist und was heute passiert. Das kann man nicht einfach beschönigen, und man muss schon gewisse Vergleiche ziehen, leider muss man sagen, auch wenn das in Deutschland nicht politisch korrekt ist.Simon: Und da gibt es keine Tabus für Sie?Hecht-Galinski: Es gibt in der Hinsicht keine Tabus. Wissen Sie, wenn jüdische Siedler Gegner als Nazis bezeichnen, sich also auch mit dem Holocaust bedienen, dann kann ich sagen, es gibt, wenn Sie israelische Medien lesen, es gibt überhaupt gar kein Tabuthema mehr. Das wird zwar immer so dargestellt, aber gerade Deutschland hat die Verpflichtung, nicht in dieser Freundschaftsfalle zu enden und zu landen, sondern den Mund aufzumachen. Und das vermisse ich völlig, weil die deutsche Politik beziehungsweise die Regierung, egal welche Partei, sich immer voll auf die israelische Seite stellt, kritiklos. Simon: Die Debatte um bischöfliche Ghettoworte, das war Evelyn Hecht-Galinski, Mitglied der Europäischen Juden für einen gerechten Frieden.

Zum Nachlesen:Wer ist Evelyn Hecht-Galinski?
5. September 2006
Veröffentlicht in: Israel und so , trackback - copyright chajms sicht (http://www.sprachkasse.de/blog/2006/09/05/wer-ist-evelyn-hecht-galinski/)
Natürlich wissen wir, wer Evelyn Hecht Galinski ist, nämlich Tochter des verdienten ehemaligen Zentralratsvorsitzenden Heinz Galinski, ehemalige Waldorfschülerin und selbsternannte Kritikerin des Zentralrats.

Schon 2002 schrieb sie in einem Leserbrief an den STERN:Deshalb stört mich die Intoleranz des heutigen Zentralrats. Er betrachtet sich als die diplomatische Vertretung Israels in Deutschland und als Sprachrohr der Scharon-Regierung. Ich als Jüdin sage: Israels Besatzungs- und Siedlungspolitik ist unerträglicher und verabscheuungswürdiger Staatsterror. Stern 52, 2002
Vermutlich hat sie einen Musterbrief zuhause, denn 2005 schreibt sie an einen gewissen Arne Hoffmann:

„Dieser Zentralrat tritt als diplomatische Vertretung Israels in Deutschland auf und als Sprachrohr der israelischen Botschaft. Etwas mehr kritische Hinterfragung wäre auch in Deutschland wünschenswert."
Im August 2006 dann ein erneuter Leserbrief im Stern:

Ich schäme mich als deutsche Jüdin für die Taten Israels ! Gezielte Tötungen, Erniedrigung der palästinensischen Bevölkerung, Landenteignung, Zerstörung der Infrastruktur, Grenzschikanen, Mauerbau, Häuserspregungen, Bomben auf UN-Beobachter…Und als Trumpfkarte: Jede Kritik an Israel ist Antisemitismus. 30 Jahre verlorene Zeit, längst hätten Verhandlungen auf gleicher Augenhöhe, die Rückgabe der Golan-Höhen an Syrien und ein echter Stopp des Siedlungsbaues zu Frieden führen können. Daher auch die jetzige (gewollte?) Situation.
Die Jüdische Allgemeine wird dann auch schon mal von ihr aufs Korn genommen, im Jahr 2000 schreibt sie:

Nach der Lektüre des Artikels “Waldorfunterricht “rassistisch geprägt”?” vom 30. März bin ich entsetzt darüber, welche Fanatiker in der Jüdischen Allgemeinen schreiben dürfen. Von meinem Vater Heinz Galinski, dem ehemaligen Zentralratsvorsitzenden, habe ich gelernt, so etwas nicht hinzunehmen.

In ihrem neuesten Interview mit dem Deutschlandfunk http://www.zeit.de/politik/dlf/2006/Interview-060901-Israel?page=1 wiederholt sie ihre These. "Weil es für mich besonders unerträglich ist und auch für viele meiner jüdischen Mitstreiter, dass sich der Zentralrat zum wiederholten Male als Sprachrohr der israelischen Regierung in Deutschland versteht, anstatt sich um die sozialen Belange der Gemeindemitglieder in den jüdischen Gemeinden in Deutschland zu kümmern."

Mit dieser Haltung lieferte sie natürlich all denen, die es immer gewußt haben eine Steilvorlage und zieht sich selber aus der Affäre indem sie postuliert die Juden seien selber Schuld am Antisemitismus. Die Art der Kritik des Zentralrats ist diskussionswürdig, aber solche Reflexe abzuarbeiten könnte pathologisch sein.Wer ist eigentlich Frau Hecht-Galinski, außer „Tochter von…” - wo ist ihr Beitrag für das Judentum in Deutschland, wo ist ihr Beitrag für eine vernünftige und offene Diskussion?

Donnerstag, 22. März 2007

Kirche und Judentum - Eine Bischofsreise nach Israel

Alles bleibt beim alten.....

Dabei spielt es keine Rolle, ob auch diesmal wieder nachträgliche und allzu leise hingeheuchelte -ausschließlich der medienwirksamen Politraison gezollte - Pseudorichtigstellungen des durch einige öffentliche Ohrfeigen kurzfristig erschreckten Klerus gefolgt sind.

Einige Vertreter der Kirche haben mit der aus tiefster katholischer Seele ausgebrochenen Spontaneruption des von großen Teilen der Kirche seit jeher gelebten antijüdischen Sentiments enttarnend klargestellt, dass man sich auf ihre Beständigkeit und doktrinäre Unbelehrbarkeit in puncto Judenvorbehalt wirklich verlassen kann.

Damit und mit einem tiefen Seufzer, zu dem einen jüdischen, seit 2000 Jahren auch von den Christen in Anspruch genommenen und sehr oft missbrauchten Gott, könnte man eigentlich zur Tagesordnung übergehen: Im Vatikan nichts Neues..!!

Der Vergleich der Lebensbedingungen der palästinensischen Bevölkerung - deren eigentliche und größte Bedrohung ihre eigenen hypokritischen und selbstsüchtigen arabischen Mentoren und ihre eigene unversöhnliche und lebensverächtliche Führung ist - mit dem unsäglichen Elend und der aussichtslosen Agonie der Juden im Warschauer Ghetto ist nicht einfach nur unzulässig, er ist verlogen, geschichtsklitternd und infam.

Das Besondere und Unerträgliche hieran ist aber, dass dieser Vergleich nicht von irgendwelchen fanatisierten und keiner Einsicht zugänglichen Islamisten oder von an der Debilitätsgrenze durchs sinnentleerte Leben taumelnden tumben neonazistischen Glatzen angestellt worden ist, sondern von deutschen Bischöfen, d.h. von prominenten und Vorbild gebenden Mitgliedern der geistigen und geistlichen Führungselite der bundesrepublikanischen Gesellschaft, denen man ungeprüft einen hohen Bildungsgrad und profunde geschichtliche Kenntnisse attestieren kann und deshalb Vorsatz und politische Zündelei unterstellen muß.

Diese in perfider Gutmensch-Scheinheiligkeit - noch dazu unmittelbar nach dem noch eben zuvor der zentralen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem abgestatteten Pflicht - und Alibibesuch - sehr zum Wohlgefallen der palästinensischen Autoritäten angestellten Vergleiche sind weder zufällig noch unbedacht, sie sind gesinnungsenttarnend und zielen treffgenau auf die Relativierung des unsagbaren Leids der jüdischen Opfer und somit auf die Relativierung der Schuld der Täter und deren damaliger Mitläufer aus den eigenen Reihen.
Sie sind gleichzeitig ein Beschwichtigungsbeitrag für die argwohngeschüttelten erzkonservativen und ewiggestrigen Kräfte zu Hause, denen jede Annäherung der Kurie an die Juden und deren Staat bis ins schwarze Mark suspekt ist.

Wegen der Funktion der - stellvertretend für große Teile der Kirche auftretenden - deutschen Bischöfe als höchste Vertreter der deutschen Christenheit wirkt ihr Vorgehen in dualer Weise als geschichtliche Schuldrelativierung Nazi-Deutschlands und der in jener Zeit überaus angreifbar agierenden Kurie gleichermaßen.

Das - trotz des spürbar kurzatmigen Rückziehers des Kardinals Lehmann - als manifester antijüdischer Eklat zu bewertende Verhalten der Bischöfe und ebenso ihre danach als Entschuldigungsersatz hingeholperten Halbherzigkeiten demaskieren erkennbar dieses allzu vordergründige Anliegen weiter Kirchenkreise.

Diese Kirche, die bei der Verfolgung ihrer Ziele und Dogmen in weiten Teilen Mitgefühl nicht kannte und nicht kennt und die die jüdische Herkunft ihres eigenen Gottes beharrlich verschwiegen und geleugnet hat, trägt mit ihrem jahrhundertelang und bis weit in die Neuzeit von ihren Päpsten praktizierten, gelebten, gepredigten und nur gelegentlich als theologischen Antijudaismus begrifflich getarnten Antisemitismus die Hauptverantwortung für die antisemitischen Exzesse und Atrozitäten im gesamten Abendland.

Sie ist - trotz der Schar einiger Aufrechter aus ihren Reihen - neben den Nazi-deutschen Tätern, auch mitverantworlich für den jüngsten Holocaust am jüdischen Volk.
Mit Zustimmung und im Namen dieser Kirche wurden zahllose Verbrechen gegen die Menschheit im allgemeinen und gegen die Juden im besonderen begangen. Mit ihrer unversöhnlichen Missionarisierungs- und Hegemonialpolitik hat diese Kirche historisch nachweisbar die Ursachen für viele bis heute weltweit schwelenden Konflikte geschaffen und am Leben erhalten.

Die von den deutschen Bischöfen in Israel nur spärlich mit dem Deckmantel angeblichen Mitgefühls und aufgesetzter Anteilnahme verdeckten, gegen besseres Wissen erstellten Vergleiche der gegenwärtigen palästinensischen Lebenssituation mit dem Leid der Juden in den Ghettos und Lagern des Naziregimes, reihen sich fast nahtlos in die bis jetzt - trotz gegenteiliger Behauptung – von weiten Teilen dieser Kirche nicht abgelegten Feindbilder und Antichrist-Ideologien ein, die nicht zuletzt auch dem Judenhaß der Nationalsozialisten als Vorbild und als Alibi gedient haben.

Die das Verbrechen an den Juden verharmlosenden Vergleiche der kirchlichen Emmissäre können aber auch nicht wirklich verwundern vor dem mit allerlei Konzils- und Kirchentagsgaukeleien bewußt vernebelten Hintergrund, dass sich weite Teile der christlichen Kirche insgesamt - der reformierten und der katholischen - von ihren judenfeindlichen Leitfiguren gar nicht oder nicht eindeutig distanziert haben.

Dies gilt in der evangelischen Kirche für deren Begründer, den Reformer und dezidierten Antisemiten Luther, in der katholischen Kirche für die zahlreichen päpstlichen Antisemiten ihrer Geschichte.

Dazu gehören die Kreuzzugs-, Judenstigmatisierungs- Zwangstauf- und Inquisitionspäpste des 12. Und 13.Jahrhunderts, darunter Papst Urban II., Innozenz III. Und Gregor IX. Hierunter fällt ebenso der Juden-Ghettoisierungspapst des 16. Jahrhunderts Paul IV., wie die judenfeindlichen Päpste des 19.Jahrhunderts, unter denen allen voran der von der ganzen zivilisierten Welt - mit Ausnahme der katholischen Kirche - bereits in seiner eigenen Zeit mit Abscheu geächtete Entführer und Zwangsadoptierer des jüdischen Kindes Edgardo Mortara, der Judenhasser und Ghettowiederaufbauer Pius IX.

Schließlich und sehr zum Missfallen höchster Kirchenkreise ist an dieser Stelle auch keinesfalls der mit den Nazis und deren Judenpolitik sympathisierende Wegsehpapst Pius XII auszulassen, der noch bis zur endgültigen Erkenntnis über die Aussichtslosigkeit des Hitler-Krieges einvernehmlich und vorsätzlich zu dem ihm durchaus bewussten und bekannten Genozid am jüdischen Volk schwieg, während seine Priester in Kroatien bei der Liquidierung der Juden selbst Hand anlegten, seine Bischöfe in Deutschland sich zwar gegen die Euthanasie an Nichtjuden aber keinesfalls gegen den Mord an Juden ausgesprochen haben und seine diplomatischen Emissäre noch nach dem verlorenen Krieg Naziverbrechern falsche Pässe zur Flucht vor den Alliierten verschafft haben, obwohl sie nicht bereit waren, dies auch vorher für verfolgte Juden zu tun.

Diese Kirche, hat sich bis heute nicht vollständig von dem antijüdischen Morast ihrer Geschichte gereinigt und hat sich von den geschichtlichen Antisemiten in ihren Reihen nicht nur nicht losgesagt - von der in vielen anderen Fällen so leicht von der Hand gehenden Exkommunikation ganz zu schweigen - sondern hat etliche dieser Judenfeinde und -verfolger, wie etwa den - gegen weltweiten Protest - im Jahre 2000 seliggesprochenen Judenhasser Pius IX ., auch noch gefeiert, mit Heiligsprechungen ausgezeichnet und unsterblich gemacht.

In weiten Kreisen dieser Kirche lebt der unselige Geist des Antisemitismus von gestern auch heute noch in mannigfaltiger Gestalt und offiziell geleugneter aber ungebrochener Vitalität weiter, und dies trotz des Zweiten Vatikanischen Konzils und des bei weitem überschätzten Fastensonntags -Reuegelöbnisses von Johannes Paul II.

Ihre Freundeskreise - wie etwa das Webportal Kreuz.net oder der Arbeitskreis Konservativer Christen betreiben Internetseiten , die von großen Teilen der Kirche unwidersprochen bereits die halbherzige Entschuldigung der Bischöfe für deren israelische Entgleisung als ein Kleinbeigeben gegenüber den Juden beklagen, oder sich in vaterländischem Stammtischgejohle und Hohmann-Lobreden ergehen.

Eine solche Kirche, die das Purgatorium predigt aber an sich selbst nicht vollzieht, hat das verloren, was sie eigentlich am meisten bräuchte, Glaubwürdigkeit und moralische Kompetenz.

Ihr einseitiges Urteil oder gar eine Verurteilung des israelischen Überlebenskampfes ist daher schon per se verdächtig.

Große Teile dieser Kirche fühlen sich - den Aufrechten in ihren eigenen Reihen zum Trotz - von Geistlichen mit dem Geschichtsbewusstsein eines Hanke oder Mixa, die sie systemimmanent zu ihren bischöflichen Vertretern gemacht und nach dem Eklat nicht etwa abberufen haben, offenbar mehr als würdig vertreten.

Bezüglich ihrer immer wieder in hoffnungsloser Eigenüberschätzung selbsteingeforderten Anerkennung als allgemeinverbindliche moralische Instanz ist einer solchen Kirche auch angesichts des neu aufgesetzten regenbogenpressefähigen iovialen Mäusefang-Populismus und des "Wir sind Papst - Geredes" unter den bestehenden Gegebenheiten nicht zu helfen.

Erich Kästner hat sich tatsächlich nicht geirrt: ".... da hilft kein Zorn, da hilft kein Weinen, da hilft kein Beten, die Nachricht stimmt, aus dieser Kirche ist der liebe Gott längst ausgetreten."

Dr. Rafael Korenzecher
Readers Edition 22.03.2007